Blütenpracht

Bild der 14. Woche - 5. bis 12. April 1999

Henri Fantin-Latour , Blühender Rhododendronzweig, 1874, Wallraf-Richartz-Museum, Köln WRM 3146 Öl auf Leinwand, 55 x 58 cm

Rhododendren erfreuen uns im Frühjahr mit ihrer frühen Blüte und bringen in unsere noch winterlichen mitteleuropäischen Gärten einen Hauch beinahe exotisch anmutender Pracht. Ursprünglich in den Gebirgslagen Zentral- und Ostasiens heimisch, umwanderte der Rhododendron (griechisch Rosenbaum) die halbe Welt, bevor er im 19. Jahrhundert auch in Europa begeistert aufgenommen wurden. Mittlerweile gibt es etwa 1300 verschiedene Arten, die mit ihren meist roten, violetten, gelben oder weißen Blütendolden, von März bis Ende Mai unsere Gärten verschönern. Das Gemälde "Blühender Rhododendronzweig" im Wallraf-Richartz-Museum entstand 1874. Die ungewöhnliche Sichtweise des einzelnen Rhododendronastes, ohne Boden oder Vase, und ohne detaillierten Hintergrund läßt den Einfluß der japanischen Kunst erkennen, die damals in Paris en vogue war. Fein ausgewogen sind die Blüten in allen Phasen des Aufblühens, von der Knospe bis zur vollen Entfaltung, in das dunkelgrüne Blattwerk des preziös gezeichneten Zweiges eingebettet. Die farbige Delikatesse und das kühle Bildlicht des Originals vermitteln eine eigenartige besinnliche Stille, der man sich nur schwer entziehen kann. Der Maler des Bildes, Henri Fantin-Latour, wurde 1836 in Grenoble geboren und war vier Jahre jünger als der mit ihm befreundete Edouard Manet. Fantin-Latour schuf zahlreiche Porträts und Werke, die thematisch um Literatur und Musik kreisen, bekannt wurde er jedoch vor allem als Maler von Blumenstilleben, die er meistens nach England verkaufte. Im Unterschied zu anderen Malern des Impressionismus betonte Fantin-Latour in seinem sorgsam und realistisch gemalten Bildern immer die botanische Eigenart der von ihm dargestellten Blumen, deren dekorative Wirkung er häufig noch durch eine scheinbar zufällige Anordnung steigerte.

B. Herrmann