Steinzeug

Bild der 3. Woche - 18. bis 25. Januar 1999

Bartmannkrug, Köln um 1500, Braunes, salzglasiertes Steinzeug, 21 cm, Museum für Angewandte Kunst, Köln, W 255,1888

Seit 1888 widmet sich das Kölner Museum für Angewandte Kunst - früher Kunstgewerbemuseum genannt - einem Sammlungsfeld welches seinen Ursprung in der erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts vollzogenen Trennung von "freier Kunst" und "angewandter Kunst" hatte. Folge dieser Aufteilung war und ist eine Abwertung der Werke angewandter Kunst, die in ihrer Verallgemeinerung nicht aufrecht zu halten ist. Ehe es zu dieser Aufspaltung kam, standen Maler und Bildhauer vorwiegend im Dienst der angewandten Kunst. Als zwei Beispiele unter vielen: Sowohl die in den Gemäldegalerien vertretenen mittelalterlichen Altäre als auch die Werke großer Barockmaler sind angewandte Kunst. Indem im neueren Kunstgewerbe nicht mehr der Gebrauchwert sondern die ästhetische Form das Kriterium für Qualität ist, läßt sich die Grenze zwischen angewandter und freier Kunst nicht mehr klar erkennbar ziehen. Zu den Schätzen des Kölner Museums für Angewandte Kunst gehört eine reiche Sammlung an Keramik. In den nächsten Wochen soll an dieser Stelle als Serie - mit einer kurzen Unterbrechung - ein Blick auf die unterschiedlichen Bereiche dieser Kunstgattung geworfen werden. Der Ton war das erste Material der Natur, das der Mensch nicht nur bearbeitete, sondern auch wesentlich abwandeln konnte. Seit etwa 7000 Jahren wandten die Töpfer verschiedene Techniken an, um den Ton zu formen und haltbar zu machen. Aus Ton hergestellte Gegenstände, die im Feuer gebrannt und damit nicht mehr wasserlöslich sind, bezeichnet man als Keramik. Dieser Terminus ist dabei der Überbegriff für verschiedene Materialgruppen, die seltener nach ihrer Herkunft als vielmehr nach der Tonzusammenmischung, Brenntemperatur und der daraus folgenden Härte und Glasur unterschieden werden. Als Steinzeug - nicht zu verwechseln mit Steingut - bezeichnet man Keramikware, die bei Temperaturen von 1200 - 1400 °C gebrannt und dabei durch Verglasung steinhart und ohne zusätzliche Glasur bereits wasserundurchlässig geworden sind. Da nur wenige Tonarten eine derart hohe Brenntemperatur überstehen, gab es vom Mittelalter bis zum Anfang unseres Jahrhunderts nur wenige Orte, an denen Steinzeug hergestellt werden konnte. In Köln wurde schon in der Mitte des 15. Jahrhunderts das erste Steinzeug hergestellt. Typisch für die Kölner Ware und diejenige der benachbarten Stadt Frechen - war eine kräftige Braufärbung u.a. aufgrund des eisenhaltigen Tons. Die glänzende Oberfläche erhielten das Kölner Steinzeug durch die vermutlich auch in Köln entwickelte Salzglasur. Während des Brennvorganges schaufelte man Salz durch Luken direkt in den Brennraum, wodurch sich auf allen Gefäßen der Dampf des verdampfenden Salzes (genauer: das Natrium des Salzes) niederschlug und so die glänzende Oberfläche erzeugte. Der hier gezeigte Bartmannkrug wurde in Köln etwa um 1500 angefertigt. Die Darstellung eines bärtigen Gesichtes auf dem Krug neben Akelei-Ranken wirkt auf uns in Verbindung mit dem gewölbten Bauch des Kruges wie eine ironische Darstellung der Folgen übermäßigen Trinkens. Ob dies jedoch der Gedanke war, welchen die mittelalterlichen Menschen mit einem derartigen Krug verbanden, ist nicht zu belegen. Mit Sicherheit hatte die Darstellung nicht nur dekorativen Charakter. So gibt es Beispiele, bei denen die Gesichtsdarstellung individuelle Züge trägt oder mit dem Namen Jesus verbunden ist. Auch Frauendarstellungen kommen vor.

T. Nagel