Die Pest am Kölner Dom

Bild der 12. Woche - 22. März bis 29. März 1999

Der Domhof zur Pestzeit: Alexianer pflegen Pestkranke Kölnisch, 1605(?) Ölgemälde auf Leinwand; 125,5 x 148 cm, Kölnischen Stadtmuseum, HM 1940/223 (WRM 2259)

Links, an der Südseite des Domhofs, ist ein Teil des alten erzbischöflichen Palastes (1163 - 1674) mit Hacht und Bingerhäusern sichtbar, am Platzende ein Haus mit Zinnenkranz und kleinen Eckwarten: der Kamphof, in der Mitte ein größeres Haus, ebenfalls mit Zinnenkranz und Eckwarten: Haus zum Palast, daneben das Heiliggeisthospital (1487 neu gebaut). Rechts, an der Nordseite des Domhofes, befinden sich Priesterseminar, Pfarrkirche St. Johannes Evangelist und Erzbischöfliches Hochgericht (1616 umgebaut). Bei den Dargestellten handelt es sich der Überlieferung gemäß um Alexianerbrüder, aus deren Kloster "Zur Lunge" das Gemälde stammen soll. Hier kümmern sie sich - wie die lateinische Inschrift unten rechts erläutert - um neapolitanische Soldaten, die für die spanische Seite in den Niederlanden kämpfen sollten, in Köln aber an der Pest erkrankten. Zum Schutz vor den - wie man glaubte - ansteckenden Dünsten halten sich Mönche und Passanten Tücher vor Mund und Nase. Da viele Erkrankte selbst von ihren engsten Angehörigen im Stich gelassen wurden, ganz zu schweigen von erkrankten Reisenden, fühlten sich bald schon Krankenpflegeorden - neben den Alexianern die Celliten und Cellitinnen, aber auch Kapuziner und Jesuiten - für sie zuständig und betrachteten dies als ihre Art, Gott zu dienen. Der Rat der Stadt Köln hatte angeordnet, daß zu Pestzeiten die Mitglieder der Krankenpflegeorden sich zu isolieren und von Gesunden fernzuhalten hätten. Auch durften sie außer ihren Ordenskirchen keine Kirchen besuchen. Die Grabplatten, die rechts im Vordergrund gerade bearbeitet werden, tragen Namen von Ordensangehörigen und weisen so darauf hin, wie viele Alexianer schon der tückischen Krankheit erlegen waren. Die erste große Pestwelle erreichte Köln 1349, danach kam sie in unregelmäßigen Abständen immer wieder. Da die Menschen über den Ursprung der Krankheit nichts wußten, konnten sie sich auch nicht wirksam schützen. Die Armen, die in den Städten bleiben mußten, traf es schlimmer, denn die Wohlhabenderen flohen in Pestzeiten in ihre Landhäuser. Dort gab es keine großen Menschenansammlungen oder große Mengen Schmutz wie in den engen mittelalterlichen Städten. Man kam auch weniger mit Ratten in Kontakt, die die todbringenden Flöhe zu den Menschen brachten. Das Gemälde - eine Leihgabe des Wallraf-Richartz-Museums an das Kölnischen Stadtmuseum - konnte bisher keinem der bekannten kölner Maler zugeordnet werden. Die Inschrift unten rechts nennt zwar das Datum der dargestellten Szene, nämlich 1605. Dies bedeutet jedoch nicht, daß das Bild auch in diesem Jahr entstanden ist.

R. Wagner