Fayencen

Bild der 4. Woche - 25. Januar bis 1. Februar 1999

links: Teller, Delft, Frederic van Frijtom?, Ende des 17. Jahrhunderts Durchmesser 21,3 cm, Museum für Angewandte Kunst, Köln, E 1634 rechts: Teller, Delft, De Roos, um 1700, Durchmesser 25,6 cm, Museum für Angewandte Kunst, Köln, E 579

Nachdem letzte Woche an dieser Stelle das Steinzeug als eine der verschiedenen Keramikarten in der umfangreichen Sammlung des Museums für Angewandte Kunst in Köln vorgestellt wurde, wenden wir uns nun den Fayencen zu. Der Begriff Fayence ist von dem Namen der oberitalienischen Stadt Faenza abgeleitet und seit dem späten 16. Jahrhundert in Gebrauch. Er bezeichnet ein Tonerzeugnis, welches der einfachen Irdenware gleicht, jedoch zunächst mit einer weißen Glasur, der Zinnglasur überzogen ist, durch welche der poröse Ton wasserundurchlässig wird. Diese weiße Grundlage dient vor dem Brand als Malgrund für kobaldblauen oder farbigen Dekor. Abhängig vom Dekor unterscheidet man bei auf diese Weise hergestellter Keramik zwischen Fayencen einerseits und Majolika. Majolika zeigt einen sehr reichen Dekor, welcher den weißen Grund der Glasur fast vollständig bedeckt. Sie ist den südlich der Alpen gelegenen Ländern Italien und Spanien zuzurechnen. Bei den Fayencen dominiert trotz Bemalung der weiße Grund. Hier liegt die Herkunft der Werke in den Ländern nördlich der Alpen, wie Deutschland, den Niederlanden und Frankreich. Seit dem 18. Jahrhundert herrscht auch in der italienische Keramik der weißen Grund vor, weswegen diese Keramik auch als Fayencen bezeichnet wird. Im Jugendstil sind die Grenzen zwischen Fayencen und Majolika fließend. Die Anfänge der niederländischen Fayencekunst setzten um 1500 ein, als auf dem Höhepunkt italienischer Majolika-Kunst Keramiker aus Italien nach Antwerpen auswanderten. Im Laufe des 16. Jahrhunderts breitete sich diese "italienische Weise" der Keramikherstellung bis in die nördlichen Niederlande aus. Der Name der Stadt Delft wurde schließlich gegen Ende des 17. Jahrhunderts zum Synonym für die niederländische Fayence. Mit dem Ende des 18. Jahrhunderts ging u. a. wegen der Erfolge des Porzellans diese Hochphase der Fayencenkunst zu Ende. Die Bemalung von Fayencen mit bereits aufgetragener Glasur erforderte viel Erfahrung, da eine Korrektur der mit Wasser angemischten Farben nach dem Auftrag nicht mehr möglich war. Der poröse Ton absorbierte das Wasser sofort und band damit die Farbe. Nach dem Brennen bei 800° - 1000° C waren Farbe und Glasur zu einer untrennbaren Einheit verschmolzen. Drei Arten der niederländischen Fayence sind besonders zu erwähnen, die am chinesischen Porzellan orientierte blau-weiß Keramik, die Fliesen und die ebenfalls an chinesischen Vorbilder orientierten roten Teekannen. br> Zum Teller links: Aufgrund stilistischer Vergleiche wird dieser Teller dem Maler Frederic van Frijtom oder seinem Umfeld zugeschrieben, der 1702 in Delft starb. Skizzenhaft zeigt er eine Landschaft mit Bäumen und Häusern. Ein Mann und eine Frau gehen über einen flachen Hügel. Zum Teller rechts: Der Teller stammt wahrscheinlich - wie die Firmenmarke auf der Unterseite deutlich macht (Detailbild unten rechts) - aus der Fabrik De Roos in Delft. Er zeigt Blumenranken und Blütenmotive. Dieses sogenannte Streublumenmotiv war in der Delfter Blütezeit wohl einer der beliebtesten Fayencedekors. Die Form dieses flachen Tellers ohne Fußring (s. Schnittzeichnung) wurde pannekoekje genannt

T. Nagel