Anti-Kriegerdenkmal

Bild der 27. Woche - 29. Juni bis 5. Juli 1998

Edward Kienholz - The Portable War Memorial (Das tragbare Kriegerdenkmal), 1968 Environment aus verschiedenen Materialien und Objekten, Tonband, Coca Cola-Automat, 285 x 950 x 240 cm; Stiftung Ludwig, 1976, Museum Ludwig Köln
Kriegerdenkmal von Arlington (Virginia)

Zeitlebens setzte sich der amerikanische Künstler Edward Kienholz (1927 Fairfield/Washington - Hope/Idaho 1994) engagiert für den Frieden ein. Auch sein "Portable War Memorial" richtet sich aus der aktuellen politischen Situation der späten 60er Jahre heraus gegen den Krieg, der infolge moderner Nachrichtenvermittlung immer rasanter akustisch und bildlich in die behagliche Welt der Nichtbetroffenen eindringt. In surrealistischer Realitätenverschränkung läßt Kienholz in lebensgroßem Maßstab die berühmte Soldatengruppe des gigantischen Kriegerdenkmals von Arlington/Virginia in ein Hot-Dog-Restaurant stürmen, in dem ursprünglich das Publikum beschirmt an den Tischen sitzen konnte. "Business as usual", meinte er dazu ironisch. Die Mitte des Kunstwerks bildet ein großer schwarzer "Grabstein", auf dem mit Kreide militärisch unterdrückte Völker geschrieben stehen. Theoretisch wären jederzeit aktuelle Daten und Orte des "Siegens" hinzufügbar, an die die kopflose Soldatengruppe mittels angeschraubter Metallgriffe getragen werden könnte. Aus einer Mülltonne, die beleibte amerikanische Sängerin Kathe Smith persiflierend, tönt per Kassette Amerikas heimliche Nationalhymne: "God bless America..."

G. Kolberg