Vom Unsichtbaren einer Ausstellung

Bild der 26. Woche - 22. bis 29. Juni 1998

 

Das Ausstellungswesen der Kunstmuseen ist heutzutage geprägt von einer Vielzahl unterschiedlicher Ausstellungsarten. So findet man zunächst Ausstellungen, welche sich in der Gattung der ausgestellten Kunstwerke unterscheiden, z. B. Ausstellungen zur Malerei, zur Skulptur oder zur Graphik usw. Andere Arten von Ausstellungen vereinen mehrere Gattungen, indem sie sich einem bestimmten Thema, z. B. "das Pferd in der Kunst", einer bestimmten Zeit, z. B. "Kunst der 20er und 30er Jahre", oder einem bestimmten Künstler, z. B. "Retrospektive Robert Rauschenberg", widmen. Selbst zwischen Ausstellungen mit gleichem Inhalt gibt es Unterschiede, je nach Art des gewählten thematischen Schwerpunktes, je nach Umfang der ausgestellten Werke und je nach dem Personenkreis, welcher mit dem Ausstellungskonzept angesprochen werden soll, z. B. Kinder oder Erwachsene. Manche Ausstellungen können aus den eigenen Beständen des jeweiligen Museums zusammengestellt werden, andere bedürfen weiterer Leihgaben aus anderen Museen, wiederum andere bestehen vollständig aus Leihgaben auswärtiger Museen. Bis es zu der Eröffnung einer Ausstellung kommt, sind eine Fülle von Vorarbeiten notwendig. Ganz knapp zusammengefaßt liest sich das Ablaufprotokoll so: Nach einer manchmal jahrelangen wissenschaftlichen Vorarbeit, welche sich mit dem Ausstellungsthema beschäftigt und den Unterbau für die Auswahl der Werke, ihre Präsentation und den Katalog liefert, wird die Liste der auszustellenden Kunstwerke erarbeitet ggf. gefolgt von Leihanfragen an andere Museen. Nach Verhandlungen und vielen Gesprächen mit Direktoren, Kuratoren (Sammlungsbetreuern) und Restauratoren werden Verträge über Ausleihe, Versicherung und Transport der Kunstwerke geschlossen. Parallel zu diesen Arbeiten wird bereits an der Erstellung des Ausstellungskataloges gearbeitet. Ist der genaue Umfang der Ausstellung bekannt, werden die Pläne für die Präsentation erstellt. Man denkt über die vorhandenen Räumlichkeiten nach, macht sich Gedanken über die Reihenfolge der Aufstellung oder Hängung der Werke. Die abschließend vor Ort für die Realisation einer Ausstellung durchzuführenden Arbeiten können gewaltigen Umfang erreichen. Die Bilderserie oben zeigt die vorbereitenden Arbeiten zur großen Retrospektive auf das Werk des amerikanischen Pop Art Künstlers Robert Rauschenberg, welche ab Samstag dieser Woche (27. Juni) im Museum Ludwig, Köln, zu sehen sein wird. Erläuterungen zu den einzelnen Bildern erhalten Sie, wenn Sie die Maus auf die Bildfelder bewegen und einen Moment warten.

T. Nagel