Das Symbol des Lichts

Bild der 20. Woche - 13. Mai bis 19. Mai 2024

Öllampe in Form eines Hahnes, 6./9. Jh., Bronze, 11 x 13 cm
Museum Schnütgen, Inv. Nr. H 931

"Bevor der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen." Mit diesen eindringlichen Worten wendet sich Jesus in jener schicksalhaften Nacht an Petrus, als dieser ihn verraten wird. Seitdem ist der Hahn zu einem Symbol des Warnens und Ermahnens geworden, der Sünder auf ihre Verfehlungen aufmerksam macht – eine Anspielung auf Petrus' Verleugnung.

Bereits im Alten Testament wird der Hahn als ein besonders waches und kluges Tier beschrieben (vgl. Ijob 38, 36). Die Darstellung einer eherne Öllampe in Gestalt eines Hahns dürfte zwischen dem 6. und 9. Jahrhundert entstanden sein. Der Bronzeguss, der seit der Antike im gesamten östlichen Mittelmeerraum weit verbreitet war, erfreute sich großer Beliebtheit. Die Öffnung für das Licht ist geschickt in die Wölbung des Hahnenrückens eingearbeitet, während sein Federkleid zart auf der metallenen Oberfläche angedeutet ist. Selbst die schuppigen Füße sind klar erkennbar. Solche Lampen wurden sowohl für religiöse als auch für profane Zwecke hergestellt.

Angesichts der frühen Präsenz der Hahndarstellung in der christlichen Ikonographie ist anzunehmen, dass unser Exemplar für den liturgischen Gebrauch bestimmt war. In mittelalterlichen Schriften wird der Hahn als aufmerksames Tier beschrieben, das seine Hennen lautstark darüber informiert, wann es Futter gibt. In diesem Sinne wird er oft mit einem Prediger verglichen, der die Botschaft Gottes an die Gläubigen weitergibt. Bereits der römische Naturforscher Plinius der Ältere wies im 1. Jahrhundert n. Chr. auf die Bedeutung des Hahns als morgendlichen Rufer hin. Vergleichbare Darstellungen dieses Vogels finden sich auch in den römischen Katakomben, wo der Hahn im Kontext von Christus erscheint, dem wahren Erlöser aus der Dunkelheit der Sünde, und somit die Auferstehung verdeutlicht. So fügen sich Hahn und Licht symbolisch zusammen.

I. MaußenA. Borggrefe