Colonia Claudia Ar(en)a Agrippinensium. Wo kämpften die Gladiatoren?

Bild der 37. Woche - 11. September bis 17. September 2017

Grabstele des Aquilus, 1. Jh. n. Chr., Fundort: Köln-Altenburg, Ulmenallee, Kalkstein, Köln, Römisch-Germanisches Museum, Inv.-Nr. 39,8 (Foto: Universität zu Köln, Archäologisches Institut)

Grabstele des Aquilus (Detail), 1. Jh. n. Chr., Fundort: Köln-Altenburg, Ulmenallee, Kalkstein, Köln, Römisch-Germanisches Museum, Inv.-Nr. 39,8 (Foto: Universität zu Köln, Archäologisches Institut)

Der Gladiator atmet schwer. Blut und Schweiß perlen sein Gesicht hinab. Seit einer gefühlten Ewigkeit setzt er seinem Gegner zu, Schlag um Schlag. Doch die meisten treffen nur den Schild. Bald werden seine Kräfte nachlassen. Er muss sich etwas einfallen lassen. Immerhin ist er Aquilus, der Publikumsliebling. Das Volk liebt ihn und jubelt ihm zu. So auch jetzt, so auch hier. In der Gladiatorenarena der CCAA, dem römischen Köln, Metropole am Rhein und stolze Colonia des Imperium Romanum.

Den Zuschauern wurde ein blutiges Spektakel versprochen – Aquilus die Freiheit. Natürlich nur, wenn er genügend Kämpfe überlebt. Doch noch ist er Sklave, so wie sein Gegner. Dessen Namen er nicht kennt. Spielt aber auch keine Rolle. Im Sand der Arena haben sich Gladiatoren nicht zu mögen. Ebensowenig zu hassen – solange man sich nur gegenseitig erschlägt. Einer wird heute sein Leben verlieren. Und es wird nicht Aquilus sein!

Zugegeben: Dass sich diese beschriebene Szene im antiken Köln genau so ereignet hat, ist mehr als unwahrscheinlich. Denn sie ist und bleibt – wenn auch nicht völlig frei – letztlich ebenso erfunden wie großzügig ausgeschmückt. Tatsächlich ist für das römische Köln nicht einmal bekannt, wo die Gladiatorenarena einst gestanden hat. Bei der aktuellen Grabung hinter der innerstädtischen Antoniterkirche, wenige Meter entfernt von der Schildergasse, hat man sie nicht gefunden. Doch dass es sie gegeben hat, dafür sprechen mehrere archäologische Funde.

Einer davon ist ein Grabstein aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., der für zwei freigelassene Sklaven namens Aquilus und Muranus in direkter Nachbarschaft zum römischen Köln errichtet wurde. Ausgegraben wurde er gut 2000 Jahre später im Bereich des römischen Flottenkastells Alteburg – in der Ulmenalle des heutigen Stadtviertels Marienburg.

Neben der lateinischen Inschrift

Aquilo C(ai) et
M(arci) Versulati-
um l(ibertus)
h(ic) s(itus) e(st) pp(atroni) f(aciendum) c(uraverunt)
et Murano l(iberto)

(Übersetzung: Für Aquilus, den Freigelassenen des Gaius und des Marcus Versulatius, der hier begraben liegt. Seine gütigen Schutzherren sorgten für die Errichtung des Denkmals. Und zum Andenken an den Freigelassenen Muranus.)

enthält er vor allem gut sichtbar das heutige Bild der Woche – die eindrucksvolle Darstellung zweier kämpfender Gladiatoren. Was sollen Aquilus und Muranus also anderes gewesen sein, als Gladiatoren? Wo sollen sie gekämpft haben, wenn nicht vor Ort, im römischen Köln?

Befragt man hierzu Experten, stößt man – keineswegs selbstverständlich – weitgehend auf Einigkeit: Für eine römische Stadt vom Rang der CCAA muss eine Gladiatorenarena angenommen werden, schon allein aufgrund des kulturellen Selbstverständnisses einer römischen Metropole. Und ihre Fundamente müssen mächtig und tief gewesen sein. Andernfalls hätten sie die Menschenmengen auf den Zuschauerrängen kaum sicher tragen können. Werner Eck, emeritierter Geschichtsprofessor der Universität zu Köln und einer der besten Kenner der römischen Vergangenheit der heutigen Domstadt, schreibt optimistisch: „Der Ort wird sich wohl eines Tages noch irgendwo finden.“

Wollen wir hoffen, dass er Recht behält und der nachrömische Steinraub möglichst viel übrig ließ. Eine der größten noch offenen Fragen zur Topographie der römischen Rheinmetropole würde damit beantwortet. Bleibt nur die Frage, wie man die Arena ins Römisch-Germanische Museum bekommen soll!?

D. Sasse