Im Bann der Romantik - der Drachenfels

Bild der 31. Woche - 31. Juli bis 6. August 2017

Caspar Johann Nepomuk Scheuren: Der Drachenfels, Öl auf Leinwand auf Holz, 23,5 x 34 cm, Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Gemäldesammlung, Inv.-Nr. WRM 2578 (Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, 1980/1991, rba_c002188)

In jünster Zeit macht ein Anglizismus die Runde, der aufhorchen lässt: "Rheinland Valley". Das klingt nach Silicon Valley und Rheintal, impliziert also Kreativwirtschaft und Rheinromantik zugleich. Ob das Ziel der neuen Landesregierung, die Städte am Rhein zu Hochleistungszentren der IT zu machen, erfolgreich sein wird, bleibt offen. Die Bestrebungen der Landschaftsmaler waren es jedenfalls, wie unser Bild der Woche zeigt: der Drachenfels im Bann der Romantik.

Schon früh regte der Berg und die malerische Ruine am Rheintal die Fantasie seiner Besucher an und beflügelte deren Vorstellungskraft. Denn bereits während des 19. Jahrhunderts strömten die Touristen massenhaft zu dem Felsen nahe Bonn. Fast majestätisch erstreckt sich der Drachenfels gen Himmel, gekrönt von der gleichnamigen Burg, nur mehr eine Ruine, doch immer noch thronend über dem kleinen Ruderboot. Idyllisch wirkt das Bild, ein romantischer Ort, den es zu besuchen oder vielmehr zu entdecken gilt.

Das dachte sich vermutlich auch der 1810 geborene Maler Caspar Johann Nepomuk Scheuren, gebürtiger Aachener, doch im Herzen dem unweit fließenden Rhein verbunden. Zur Düsseldorfer Malerschule zählend, widmete er dem Rheintal unzählige Darstellungen und Gemälde. Insbesondere Sagen und Geschichten der Rheinromantik taten es ihm an. Schon der Name des mythologischen Ungeheuers, der dem Drachenfels seinen Namen gab, steht dafür sinnbildlich. Nicht die wahrheitsgetreue Darstellung stand dabei im Mittelpunkt, sondern vielmehr eine von Poesie angehauchte Ästhetisierung.

Mutter Natur! Was stellt der Pracht sich gleich,
Mit der du schmückst den königlichen Rhein?
Umglänzt von aller Schönheit Wunderschein

Die Rheinlandschaft bot nicht nur für Dichter wie Lord Byron ein beliebtes Motiv, sondern reizte ebenso Reisende und Wanderlustige. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Ort schließlich auch als Touristenmagnet erkannt und genutzt. Schnell entstanden Anleger für die neuen Dampfschiffe, später auch ein eigener Bahnhof. Gaststätte, Postagentur und Schnellfotografie folgten.

Klassisch wurde der Berg auf dem „Eselsweg“ bestiegen. Seinen Namen erhielt er vermutlich von der Lasttiernutzung während seiner Zeit als Steinbruch. Denn bereits die Römer kannten den Berg, verwendeten ihn als Steinbruch. Der Trachyt kam bei Stadtbefestigungen und Grabmälern in Köln, Bonn und im nördlichen Xanten zum Einsatz. Auch das bekannteste Wahrzeichen Kölns, der Dom, besteht seit Baubeginn in Teilen aus dem Stein vom Rhein.

1138 vom Kölner Erzbischof Arnold I. begonnen, sicherte die Burg Drachenfels als Eckpfeiler am Rhein das Tal. Mit der Befestigung Bonns Mitte des 13. Jahrhunderts verlor sie aber ihren Nutzen. Erneute Bedeutung erlangte sie im Konflikt als Rheintalsperre, als der Kölner Kurfürst Gebhard I. 1582 zum Protestantismus übertrat. Während des Dreißigjährigen Krieges diente sie ein letztes Mal als Stützpunkt, diesmal den Schweden, bevor die Mauern schließlich 1634 vom Kölner Kurfürsten geschliffen wurden.

Doch noch heute ragt die Ruine, ähnlich wie in Scheurens Gemälde, über dem Rhein auf und lädt Reisende zu einem unverwechselbaren Ausblick über den sich windenden Fluss und die Landschaft ein. Wieso also nicht mal den Besuch beim nächsten Sonntagsausflug wagen?

M. Flach