Kölner Lichter

Bild der 28. Woche - 10. Juli bis 16. Juli 2017

Rathauslaterne, Köln, 16. Jh., H: 89,5 cm, B: 40 cm. Kölnisches Stadtmuseum, Inv.-Nr. RM 1932/22 (Foto: rba_d017583)

Am kommenden Samstag werden - bereits zum 17. Mal - am frühen Abend Hunderttausende durch die Stadt zum Rheinufer ziehen, um einen guten Sicht-, wenn nicht gar Sitzplatz zu ergattern. Sie kommen, um die "Kölner Lichter" zu bestaunen, das große Feuerwerk über dem Rhein, das spätabends zwischen Hohenzollern- und Zoobrücke gezündet wird. Wenn sie dann nach Mitternacht zu Fuß, in Bussen, Straßenbahnen oder Sonderzügen wieder nach Hause zurückkehren, dann bewegen sie sich durch eine hell erleuchtete Stadt. Für einen Menschen, der vor 250 Jahren durch Köln lief, ist dieses Szenario vollkommen unvorstellbar. 

Unser Bild der Woche gibt eine kleine Vorstellung davon, was es hieß, sich früher durch das nächtliche Köln zu bewegen. Es handelt sich um eine eiserne Laterne mit sechs Seiten, die einstmals verglast waren. Eine Spange hielt den Leuchtkörper, eine Kerze, und sorgte für deren festen Stand. Mittels eines Auslegers war die Laterne an einer Hauswand angebracht, wohl am oder in der Nähe des Kölner Rathauses. Das Objekt hing dort seit dem frühen 16. Jahrhundert - zumindest weisen die spätgotischen Stilelemente auf diese Entstehungszeit hin. Laternen dieser Art waren in Köln aber sehr selten. Es gab an öffentlichen Gebäuden nur drei Stück in der gesamten Stadt! Die Orte waren in der "Leuchtordnung" festgehalten, die der Rat verabschiedet hatte.

Die Laterne wurden von einem Wächter entzündet, gelöscht und versorgt - was nicht günstig war. Für die Kerzen aus Rinder- oder Hammeltalg, die sogenannten Unschlittkerzen, brauchte man pro Monat eine Mark - etwa 80 Euro. Wer sich abseits der beleuchteten Zone bewegte, trug entweder selbst eine Laterne, oder er mietete sich einen "Leuchtenmann". Denn die Leute gingen früh schlafen, und damit erlosch auch der Lichtschein, der aus den Fenster nach draußen fiel. Köln lag also in fast völliger Dunkelheit. Kein Wunder, dass nach 11 Uhr abends das Ausgehen ohne Laterne vollkommen untersagt war. Bei Gefahr musten die Bürger ein Licht ausd dem Fenster hängen.

Erst mit der Ankunft der Franzosen änderten sich die Verhältnisse. Mit dem 1794 aufgestellten "Beleuchtungsplan" wurde festgelegt, dass 294 Laternen in den Wintermonaten zwischen sieben Uhr abends und sieben Uhr morgens die Straßen zu erhellen hatten. Die Kosten hatten die Hausbesitzer zu tragen, allerdings mussten sie keine Kerzen mehr einsetzen, sondern es waren nun Lampen, die mit Rüböl brannten. 1840 wurde dann die Gasbeleuchtung eingefürt, und damit wurden die Kölner Lichter auch in den Straßen deutlich besser.   

M. Hamann