See America first. Woher kommt's?

Bild der 30. Woche - 24. Juli bis 30. Juli 2017

H(orace) C(lifford) Westermann: See America First, 1968. Lithographie, 55,5 x 76 cm, Köln, Museum Ludwig, Grafische Sammlung, Inv.-Nr. ML/G 2007/035 01-18 (Foto: RBA Köln, B. Schlier)

H(orace) C(lifford) Westermann: See America First, 1968. Lithographie, 76 x 55,5 cm, Köln, Museum Ludwig, Grafische Sammlung, Inv.-Nr. ML/G 2007/035 01-18 (Foto: RBA Köln, B. Schlier)

Let’s make America great again. Make America great again. America First. See America First. Sätze wie diese verbinden die Meisten wohl mit dem vor nunmehr sechs Monaten vereidigten amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Ob Cappies, T-Shirts oder das von Trump selbst verfasste Werk: überall fand sich nur der eine Slogan. Mit Skepsis beäugen die Europäer, die Deutschen und die Kölner Trumps Pläne, wie er denn nun Amerika „great again“ machen will. Doch ist er noch da – der amerikanische Traum?

Der Traum von Amerika an der Spitze der Welt?

Zunächst einmal ist die Idee hinter diesen so plakativ benutzten Wörtern viel älter. Der bekannteste Vertreter der Idee, Amerika "great again" zu machen, war niemand geringeres als einer von Trumps Vorgängern: Ronald Reagan. Wie auch Trump war er als Kandidat der Republikaner angetreten, nur wenige Jahre zuvor noch Parteigänger der Demokraten gewesen. Im Januar 1981 wurde Reagan zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. Senkung der Regierungsausgaben, Senkung der Einkommens- und Körperschaftssteuer, Abbau der Verordnungen und Bedingungen, die der Industrie auferlegt waren, und Senkung der Wachstumsrate des Geldumlaufs und des Kredits standen auf seiner Agenda. Bei gleichzeitiger Steigerung der Rüstungsaufwendungen wurden Haushaltskürzungen vor allem im sozialen Bereich vorgenommen. Doch sein Vorhaben machte Amerika nicht great again. Es hagelte Kritik. Die Arbeitslosenquote stieg. Vorerst. Doch irgendwann ging es wieder bergauf. Reagan kandidierte erneut und wurde wiedergewählt. Er gab den Amerikanern Selbstbewusstsein, Zukunftsglauben – und danach sehnten sie sich so sehr.

Schon 1968 sehnte sich der Künstler H(orace) C(lifford) Westermann, aus dessen bekanntem Zyklus "See America first" das "Bild der Woche" diesmal stammt, genau danach: einem perfekten, oder zumindest: einem besseren Amerika. Nach seinem Wehrdienst im Zweiten Weltkrieg und einem erneuten Einsatz im Koreakrieg kam der Westermann (1922-1981) entkräftet und psychologisch am Boden in seine Heimat zurück. Was er fand, war nicht mehr das Amerika, das er zurückgelassen hatte. Gezeichnet von den dramatischen Bildern, die er zu Kriegszeiten hatte sehen müssen, vermisste er das traditionelle Amerika, kritisierte den Werteverfall und die Verwicklung der USA in zwei desaströse Kriege mit künstlerischer Schärfe. „See America First“ ist eine Serie von 18 Lithographien. Der Titel der Reihe mag von Reisemagazinen beeinflusst worden sein, die die USA als das Reiseziel schlechthin propagierten oder auch vom gleichnamigen Broadway-Musical aus den 1910er Jahren. Auf dem Bild abgebildet ist der wohl berühmteste Druck aus Westermanns Serie. Es zeugt von Westermanns Sehnsucht nach einem farbenfrohen Aufblühen seiner einer unschuldigen Heimat, das unberührt ist von den Schrecken, das es selbst in die Welt getragen hat.

America first, Cologne second?

Dieser Wunsch ist lebendig. Er wird verkörpert durch Figuren wie eben dem neuen US-Präsidenten Donald Trump: Amerika an der Spitze der Welt. „In Ordnung“, dachten sich einige Humoristen der Welt, „dann wollen wir aber an zweiter Stelle stehen!“ America first, France second. America first, Austria second. America first, Russia second. Unter diesen Titeln finden sich auf der Videoplattform Youtube eine reiche Vielfalt lustiger und sehr ironischer Kommentare zu Trumps Weltansicht. So heißt es aus Österreich: „Wir haben den Ersten Weltkrieg angefangen und auch den Zweiten – wieso also nicht von den besten lernen?“. Aus Köln kommt: „Jeder liebt Köln. Denn wir haben eine Ziege. Die bekannteste Ziege des ganzen Universums – unser Hennes.“ In der nächsten Szene wird eine alte römische Mauer gezeigt und kämpferisch als „unsere Mauer“ eingeführt. „Wir haben dafür gesorgt, dass die Italiener sie bezahlen – Idioten!“ Das ist dann wohl die Art vom „Rest der Welt“ mit Trumps tollkühnen Plänen umzugehen.

E. Klein