America first? Patriotismus am Radio

Bild der 23. Woche - 5. Juni bis 11. Juni 2017

Norman Bel Geddes (Entw.), Emerson Radio and Phonograph Corp. (Herst.): Radiogeräte der Serie Patriot (400-1, 400-2 und 400-3), 1940, Guss-Phenolharz (Catalin) Celluloseacetat (Tenite) Harnstoffharz
Höhe: 20,5 cm, Breite: 27,5 cm, Tiefe: 16 cm, Köln, Museum für Angewandte Kunst Köln, Inv.-Nr. K 1295-1297 W (Foto: RBA)

„America first“ - diese vom amtierenden US-Präsidenten Donald Trump mantrahaft wiederholte Devise ist nicht neu, sondern eine Wiederauflage. Bereits Woodrow Wilson benutzte die Forderung während des Ersten Weltkrieges. In den 1930er Jahren wurde sie zum Motto von US-amerikanischen Sympathisanten des Nationalsozialismus und fand sich auch in der Presselandschaft. Mediemogul William Randolph Hirst opponierte damit gegen die sozialen Reformen von Franklin D. Rossevelt. Der damalige Präsident hatte den „New Deal“ auf den Weg gebracht, um die herrschende Wirtschaftskrise mit sozialen Reformen und einer gezielten Subventionspolitik zu überwinden.

Hearst, der bis 1938 mit dem NS-Regime sympathisierte, warf dem Präsidenten eine kommunistische und unamerikanische Politik vor. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Forderung zur Parole jener, die die USA aus dem Konflikt heraushalten wollten. Wortführer war das „America First Committee“ (AFC), das die Fortdauer der Isolation Amerikas forderte. Mit dem Angriff der japanischen Luftwaffe auf Pearl Harbour (4. 12. 1941) und dem Eintritt der USA in den Krieg war dies vorbei.

Genau in diese Zeit fällt die Idee, ein Radiogerät zu entwerfen, das mit der Gestaltung der amerikanischen Flagge spielt. Der „Emerson 400“ mit dem Beinamen „Patriot“ kam erstmals 1940 auf den Markt. Anlass war das 25-jährige Bestehen der Firma Emerson Radio & Phonograph. Der Entwurf stammte von Norman Bel Geddes. Der gelernte Bühnenbilder hatte sich als Industriedesigner einen Namen gemacht, Flugzeuge und Autos entworfen und den Pavillon von General Motors bei der Weltausstellung 1939 (New York) gestaltet.

Für den „Patriot“ ließ sich Bel Geddes von der amerikanischen Flagge inspirieren. Der Lautsprechgrill ist zweifarbig gestreift und zitiert damit die die 13 Streifen des „Star Bangled Banner“, die für die 13 Gründungsstatten der USA stehen. Die Sterne, die in der Flagge die heute 50 Bundesstaaten vertreten, finden sich auf den Drehknöpfen wieder, mit denen Sender gesucht und Lautstärke reguliert werden.

Das Museum für Angewandte Kunst besitzt in seiner bedeutenden Radiosammlung mehrere Exemplare des „Patriot“. Vor allem bei der ersten Version in den Farben Blau, Rot und Weiß springt die Anspielung auf das Sternenbanner deutlich ins Auge. Das ist durchaus als geschickter Marketing-Schachzug zu werten: Das Gerät sollte in der aufgeheizten Stimmung der frühen 1940er Jahre an den Patriotismus der US-Käufer appellieren.

Daneben hatten aber auch andere Versionen Erfolg, denn die Elemente konnten leicht ausgetauscht und so ein großer Variantenreichtum erzeugt werden. Die Grundgestaltung blieb jedoch immer gleich, so dass der „Emerson 400“ zum amerikanischen Radiogerät schlechthin wurde.

M. Hamann