Reparierte Keramik

Bild der 13. Woche - 27. März bis 2. April 2017

Gefäß der Linearbandkeramik mit Flicklöchern, 5500- 4950 v. Chr., Inv.Nr. 35/234, Köln-Lindenthal, Römisch-Germanisches Museum (Foto: RBA Köln)

Gefäß der Linearbandkeramik mit Flicklöchern, 5500- 4950 v. Chr., Inv.Nr. 35/234, Köln-Lindenthal, Römisch-Germanisches Museum (Foto: RBA Köln)

Das Römisch-Germanische Museum zeigt unter dem Titel "Vorgeschichte(n)" im Foyer des Hauses eine kostbare Auswahl größtenteils noch nie gezeigter Funde aus der reichen Sammlung zur Kölner Vorzeit. So geht es diesmal in eine schriftlose Zeit und - wie auch in der kommenden Woche - in den Bereich des heutigen Grüngürtels im Kölner Westen.

‚Leben am Fluss‘ ist seit der mittleren Steinzeit das Motto für Jäger und Sammler, für die ersten Ackerbauern und Viehzüchter, für die Siedler der Bronze- und Eisenzeit im Rheinland. Beiderseits des wilden mächtigen Stromes nutzen Menschen verschiedener vorgeschichtlicher Kulturen die vielfältige Siedlungsgunst auch im Kölner Raum. Nach dem ersten Weltkrieg traf der damalige Oberbürgermeister Kölns, Konrad Adenauer, eine auch für die Archäologie der Stadt folgenschwere Entscheidung. Zwischen 1923 und 1929 realisierte er im Bereich der preußischen Festungsanlagen den Kölner Grüngürtel und erhielt damit nicht nur die Natur in der direkten Umgebung der Stadt, sondern ermöglichte auch eine der aufsehenerregendensten Ausgrabungen der damaligen Zeit. Bei der Verlegung des Frechener Baches in Köln-Lindenthal stieß man auf erste Bodenfunde und Verfärbungen, die auf Hausgrundrisse und Abfallgruben der Steinzeit schließen ließen. In den Jahren 1929 bis 1934 wurden etwa 40 000 m² Fläche ohne Einsatz von Maschinen, aber mit den modernsten archäologischen Methoden der Zeit so sorgfältig untersucht und dokumentiert, dass der Ort noch immer als einer der besterforschten Plätze der Jungsteinzeit gilt.

Vor über 7000 Jahren siedelten hier Ackerbauern und Viehzüchter. Auf den fruchtbaren Lössböden rodeten sie den Wald, legten Felder und Gärten an und hielten Nutztiere für Fleisch und Milch. Diese Wirtschaftsweise hatte vor etwa 8000 Jahren im Rheinland Einzug gehalten und sie veränderte das Leben der damaligen Menschen derart radikal, dass von einer neolithischen Revolution oder – im Hinblick auf die Dauer des Entwicklungsprozesses – einer neolithischen Evolution – gesprochen wird. Nicht mehr Jagen und Sammeln standen im Vordergrund, sondern die Produktion von Vorräten an einem festen Wohnsitz.

Die jungsteinzeitlichen Menschen bauten in Köln-Lindenthal bis zu 35 Meter lange und 10 Meter breite Holzhäuser, von denen bis zu fünf gleichzeitig standen. Insgesamt war der Ort etwa 400 Jahre lang besiedelt und zeitweise von einer Grabenanlage umgeben.
Neben dem Häuserbau und der Herstellung von Werkzeug beherrschten die Bauern auch schon die Herstellung von Keramik. Diese wurde per Hand aufgebaut und nicht auf der Töpferscheibe gedreht. Auch wurde sie nicht im Ofen, sondern im offenen Feuer gebrannt. Die Verzierung der Gefäße erinnert an Bandmuster, weshalb sie selbst Bandkeramik und ihre Produzenten Bandkeramiker genannt werden.

Diese Keramik besaß einen hohen Stellenwert und ist sicher nicht als Wegwerfware anzusehen. Das wird besonders deutlich an einem Gefäß aus Köln-Lindenthal, das geflickt wurde. Deutlich ist der Bruch zu erkennen, der sich längs von oben nach unten durch das Gefäß zieht. Links und rechts dieses Bruches sind Löcher in die Wandung gebohrt, die sich jeweils gegenüberliegen. Sie dienten der Verschnürung der Löcher und somit der Fixierung der Keramikscherben. Zusätzlich war der Bruch noch mit Birkenpech verschmiert und so abgedichtet. Das Gefäß konnte also weiter genutzt werden.

K. Jaschke