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Bild der 05. Woche - 30. Januar bis 5. Februar 2017

Emily Schnettgers: Kind vor Kameras, 2001; Bleistift und Aquarell auf Papier, Privatbesitz

Emily Schnettger: Beschriftung zu ihrem Werk in der Ausstellung des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln zum 20. Jugend- und Schüler-Gedenktag

Das Bild dieser Woche verdankt sich im Grunde Alt-Bundespräsident Roman Herzog, der am 10. Januar verstorben ist. Herzog ist vielen wegen seiner berühmten Berliner Rede in Erinnerung geblieben - "Durch Deutschland muss ein Ruck gehen". Der Hochschullehrer, Präsident des Bundesverfassungsgerichts, schließlich Bundespräsident Herzog trat für einen engen und fruchtbaren Dialog mit unseren polnischen Nachbarn ein und initiierte einen besonderen Gedenktag.

Roman Herzog erklärte im Jahr 1996 den 27. Januar als Jahrestag der Befreiung der Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. In Köln hat die Schulverwaltung daraufhin in Zusammenarbeit mit dem Jugendring, dem Jugendamt und dem NS-Dokumentationszentrum einen Arbeitskreis ins Leben gerufen, der seitdem die Auseinandersetzung von Schülerinnen und Schülern mit den Themen NS-Zeit und Gedenken der Opfer der NS-Herrschaft fördert. Seit 1998 befassen sie sich in informativen, oft sehr bewegenden Beiträgen unter ganz unterschiedlichen Aspekten mit dem Nationalsozialismus. Die Ergebnisse werden jedes Jahr am 27. Januar in einem Bühnenprogramm und einer Ausstellung vorgestellt.

Unser diesmaliges Bild der Woche ist in der Ausstellung zum 20. Jugend- und Schüler-Gedenktag noch bis zum 5. Februar im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln zu sehen. Emily Schnettger von der Käthe Kollwitz Gesamtschule in Leverkusen hat es nach einem Pressefoto gemalt und einen kurzen Text dazu geschrieben.

Das Besondere an Emilys Bild liegt in der Veränderung. Im Hintergrund finden sich nun eine Vielzahl von Kameras, die das entsetzte Kind fotografieren. Die Agenturen liefern uns die Fotos des Krieges, je mehr sie ans Herz gehen, desto besser lassen sie sich verkaufen. Es wird sehr klar, dass der Junge hier zum Objekt gemacht wird. Indem Emily aber das Kind mit dem strahlenden Kreis umgibt, stellt sie seine Person und sein Leid wieder in den Mittelpunkt.

Ich frage mich, wie ich auf die Bilder des Krieges in der Presse reagiere, und welche Konsequenzen sie wohl haben – außer vielleicht einer Auflagensteigerung der Illustrierten oder einer Steigerung des Marktwertes des Fotografen. Was passiert wohl weiter mit dem Kind? Und: Wo stehe ich - als Zuschauende?

B. Kirschbaum