First Lady

Bild der 03. Woche - 16. Januar bis 22. Januar 2017

Andy Warhol: Jackie Triptych, 1964, Siebdruck auf Leinwand, 53 x 124 cm
Köln, Museum Ludwig, Inv.-Nr. ML 01157 (Foto: RBA)

Jaqueline Lee Bouvier. Den meisten vermutlich besser bekannt als Jackie Kennedy. Im Jahr 1953 heiratete die 24-jährige Jackie den Senator von Massachusetts. Nur sieben Jahre später machte die Vereidigung von John F. Kennedy zum amerikanischen Präsidenten Jackie Kennedy zur First Lady der Vereinigten Staaten von Amerika – zu einer der bis heute bekanntesten.

In dieser Woche prallen zwei Welten aufeinander: Am 20. Januar wird die in Jugoslawien geborene Melanija Knavs zur neuen First Lady der USA, an der Seite des 24 Jahre älteren Donald Trump. Ein amerikanischer Großunternehmer und Spitzenkandidat der amerikanischen Republikaner. Sein Wahlkampf sorgte für Aufsehen. Mit dem Slogan „Make America great again“ übte er harsche Kritik an seinem demokratischen Vorgänger Barack Obama und sandte klare Signale in die Welt: der Klimawandel sei kritisch zu hinterfragen, Muslime seien kritisch zu beäugen und die Europäische Union sei deutlich kritisch zu betrachten.

Als Literaturliebhaberin inspirierend, als First Lady politisch zurückhaltend

In der nächsten Woche erscheint ein Spielfilm mit dem Titel „Jackie“, der das Leben der einstigen First Lady in den Fokus nimmt. Jackie Kennedy studierte Französisch und Vergleichende Literaturwissenschaft. Sie liebte die Künste und den Austausch mit anderen Wissenschaftlern. Ob in Paris, wo sie studierte, oder in den USA, wo sie lebte – Jackie Kennedy wusste es, das Zusammenkommen im Sinne der schönen Dinge des Lebens zu nutzen.

Der Künstler Andy Warhol widmete ihr schon zu Lebzeiten, nämlich im Jahr 1964, das abgebildete Gemälde. Es ging auf Reisen. War in Australien, in Japan, in Deutschland, erneut in Japan, in Finnland und schließlich gelangte es nach Köln. Heute ist das dreigeteilte Abbild Teil der Sammlung des Museum Ludwig. Es ist ein herausragendes Zeugnis der Pop Art. In seinem ganz eigenen Stil porträtierte er Schauspielerinnen wie Marilyn Monroe oder Elizabeth Taylor, die noch heute Ikonen ihrer Zeit sind. Und eben Jackie Kennedy, die einen ähnlichen Stellenwert für das Weiße Haus hatte.

Kurz nach dem Amtsantritt ihres Mannes initiierte Jackie Kennedy umfassende Renovierungsarbeiten im Weißen Haus und machte es zu einem Treffpunkt des guten Tons: Hier trafen sich Vertreter aus Kunst und Wissenschaft. Von der Tagespolitik hielt sie sich fern, begleitete ihren Mann jedoch gerne auf Auslandsreisen. Die Boulevardpresse liebte sie. Ihren Stil, ihre Eleganz und ihre Intelligenz. Doch die Zeit als First Lady war nur von kurzer Dauer: Bei einer Wahlkampfreise durch Dallas, Texas fuhr Jackie gemeinsam mit ihrem Mann in einem offenen Wagen durch die Innenstadt. John F. Kennedy wurde an diesem Tag kaltblutig mit mehreren Gewehrschüssen getötet und verstarb direkt neben seiner Frau. Jackie zog sich von diesem Tag an zurück. Ein Jahr später nun das Kunstwerk Warhols. Eine Hommage an die so starke und doch gebrochene Frau, dargestellt in einem dreigeteilten Bild, was anmutet wie ein Triptychon. Eine Form von Gemälden, die oft für Heiligendarstellungen gebraucht wurde und wird.

Eine neue First Lady braucht das Land?

Auch Melania Trump mischte sich bisher eher wenig in die politischen Ambitionen ihres Mannes ein. Sie begleitete ihn bei einigen Wahlkampfaufritten, erntete jedoch großen Spott für ihre erste große Rede, bei der ein Großteil der Passagen aus einer Rede ihrer beliebten Vorgängerin Michelle Obama abgekupfert worden war. Wie sich die erste amerikanische First Lady, die nicht englische Muttersprachlerin ist, in ihre Position einfinden wird, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

E. Klein