Blumen im Winter

Bild der 48. Woche - 28. November bis 4. Dezember 2016

Hl. Katharina und Hl. Barbara, kölnisch (?), Ende des 15. Jh.s; Glasmalerei, D 36 cm, Inv. M 517 (Foto: RBA)

„Zweige schneiden zu St. Barbara, Blüten sind bis Weihnachten da“!

So lautet ein Spruch im Volksmund, der die alte Tradition des Barbarazweiges beschreibt. Am 4. Dezember, dem Namensfest der Heiligen Barbara schneidet man einen Zweig von einem Apfel- oder Kirschbaum (je nach Region auch Forsythie, Birke, Haselnuss oder Holunder) und stellt ihn in eine Vase mit warmem Wasser. Bis Weihnachten entwickeln sich Knospen und Blüten, die die Tafel schmücken und der Familie Gesundheit und Frieden ins Haus bringen sollten.

Die heilige Barbara lebte, der Legende nach, im 3. Jahrhundert in Kleinasien, vermutlich in Nikomedien, als Tochter eines gut situierten Kaufmannes. Aufgewachsen als Heidin, kam sie mit ersten christlichen Gemeinden in Kontakt und wollte sich zu der neuen Religion bekennen. Infolgedessen lehnte sie auch die von ihrem Vater arrangierte Ehe ab, um als Jungfrau ganz für den Glauben leben zu können. Daraufhin sperrte ihr Vater sie in einen Turm ein, folterte sie und wollte ihre Hinwendung zum Christentum verhindern. Dennoch ließ sich die heilige Barbara taufen und setzte als Zeichen der Dreifaltigkeit Gottes ein drittes Fenster in ihren Turm. Am Ende ließ der Vater die eigene Tochter zum Statthalter ins Gefängnis bringen, foltern und verurteilen.

Auf dem Weg dorthin, so besagt die Legende, blieb die Heilige Barbara mit dem Kleid an einem Zweig hängen, den sie mitnahm und der im Gefängnis die Tage ihrer Gefangenschaft hindurch zu blühen begann. Nach mehreren vergeblichen Versuchen sie hinzurichten, da ihre Wunden wie durch ein Wunder immer wieder geheilt wurden, enthauptete der Vater die Tochter eigenhändig.

Angerufen als eine der 14 Nothelferinnen gegen Gewitter, Feuer und auch die Pest, wurde sie in der Neuzeit vor allem zur Schutzpatronin der Feuerwehr, vieler Handwerker und der Bergleute. Auch im Rheinland und Köln wurde sie verehrt, was die zahlreichen Darstellungen in Kölner Kirchen und Hausaltären belegen. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts begann für die Kinder am 4. Dezember die Zeit der kleinen Geschenke und Freuden vor Weihnachten. Schon an diesem Tag, nicht erst an Nikolaus, durften sie ihre Stiefel in die Fenster stellen und am Morgen eine kleine Süßigkeit vorfinden.

Auf dieser Rundscheibe aus dem späten 15. Jahrhundert ist sie neben der Heiligen Katharina dargestellt, ebenfalls eine Märtyrerin der frühen Kirche. Beide tragen lange, in der Taille gegürtete Kleider und offene Locken, was die Tracht der Heiligen Jungfrauen bildet. Die Heilige Barbara trägt, entsprechend der klassischen Darstellung, einen Zweig und stützt sich auf den Turm im Hintergrund, was ihre Gefangenschaft und die Hinwendung zur christlichen Religion zu symbolisieren soll. Die Heilige Katharina trägt das Rad, als Hinweis auf ihr Martyrium und zu ihren Füßen steht ein Wappenschild mit Brezel und Brot, da sie die Schutzpatronin der Bäckergaffel war. Besonders ungewöhnlich ist der farbige Hintergrund, der um einen Rand mit Blumen und Tier- bzw. Jagdmotiven als Schmuck ergänzt wurde.

Die Rundscheibe wurde gemeinsam mit ihrem Pendant, welches die Heiligen Sebastian und Antonius darstellt, in Köln produziert und sind vermutlich der Familie Heinrich Mauwenheim, einer städtischen Patrizierfamilie zuzusprechen. Deren Stammsitz war der Malzhof in der Marzellenstraße, aus dessen Kabinett die Scheiben stammen werden.

J. Uebing