Die Tür von Sankt Maria im Kapitol

Bild der 51. Woche - 19. Dezember bis 25. Dezember 2016

Michael Albers: Romanische Bildertüre aus Sankt Maria im Kapitol, Holz, farbig gefasst, um 1050. Gesamtansicht, gestitcht, 2016 (Foto: RBA)

Die 4,85 Meter hohe hölzerne Bildertür der Kirche Maria im Kapitol aus der Mitte des 11. Jahrhunderts hat viele Fotografen inspiriert. Richard Hamann fotografierte sie und den schon seit etwa 1900 existierenden Gipsabdruck im Rahmen einer großen Fotokampagne 1925 zur Jahrtausendausstellung. August Sander nahm Detailansichten in seine Mappensammlung „Köln wie es war“ auf, und Karl-Hugo Schmölz dokumentierte das Objekt sowohl in Gesamtansichten als auch die einzelnen Bildfelder.

Die Türe ist die letzte erhaltene mittelalterliche Bildertür aus Holz nördlich der Alpen und zugleich eine von dreien weltweit. Sie zeigt das Leben Christi, auf einem Türflügel die Kindheit und Jugend, auf dem Zweiten die Passion und Auferstehung. Teile der farbigen Fassung sind noch erhalten.

In den letzten 90 Jahren stand sie in Köln an unterschiedlichen Orten: In der Kirche Sankt Maria im Kapitol, nach dem Krieg im Kölner Dom und als Gipsabdruck in verschiedenen Ausstellungen. Fotografien des Abdrucks wurden fälschlicherweise oft als Ansicht des Originals benannt, weil dieses schwer zugänglich und damit auch schwierig zu beleuchten war. Der Gipsabdruck wurde ursprünglich wohl sogar eigens für Fotoaufnahmen geschaffen.

Die hier vorgestellte Aufnahme ist im Jahr 2016 direkt nach der regelmäßigen konservatorischen Begutachtung und Reinigung entstanden. Sie wurde nicht in der bei solch großen Objekten üblichen Perspektive aufgenommen. Bei der Objektdokumentation wird die Kamera normalerweise zentral vor das Objekt in mittlere Augenhöhe – also in etwa 1,65 Meter Höhe – positioniert. Stattdessen ist die Fotografie, die Sie hier als Bild der Woche sehen, aus 18 Detail-Einzelaufnahmen zusammengesetzt – Fotografen bezeichnen diese Technik als „stitchen“. Die Kamera wurde für die Detailaufnahmen ähnlich wie beim Scannen von oben nach unten bewegt. Dadurch konnte jedes Bildfeld frontal und ohne perspektivische Verzerrung erfasst werden. Die zusammengesetzte Gesamtansicht weist also keinen „natürlichen“ Aufblick mit stürzenden Linien auf. Der nicht reale Blickwinkel erschließt sich dem Betrachter ersten auf den zweiten Blick, führt aber zu einer sehr präsenten, gleichwertigen Bildbetrachtung bei gleichmäßiger Ausleuchtung der einzelnen Türelemente.

M. Albers