Die Ollesheimer Madonna

Bild der 33. Woche - 15. August bis 21. August 2016

Ollesheimer Madonna, Köln, um 1260-1270. Buchenholz, H 81, B 21, T 20,5 cm, Inv. A1054 (Foto: RBA)

Am 15.8. feiert die Katholische Kirche den Feiertag "Mariä Himmelfahrt". An diesem Hochfest gedenken Katholiken in aller Welt der angeblich leibhaftigen Aufnahme der Gottesmutter Maria in den Himmel. Zu dieser Gelegneheit betrachten wir heute einen anderen Aspekt der Marienfigur, nämlich ihre Mutterschaft.

Unter den Holzskulpturen, die zur Sammlung des Museum Schnütgen gehören und sich auf der Südempore der Cäcilienkirche befinden, steht die große, pfahlartige Figur einer anmutigen Muttergottes mit Kind, die so genannte Ollesheimer Madonna, benannt nach ihrem letzten Aufstellungsort in der Pfarrkirche in Ollesheim, Kreis Düren. Der fürstliche Charakter der himmlischen Königin, der in erster Linie auffällt, verbindet sich hier mit der besonderen, zärtlichen Beziehung zwischen den dargestellten Personen.

Die Skulptur wird in die Zeit um 1260-70 datiert, und obwohl sie über die Jahrhunderte Schaden nahm, hat sie ihre ungewöhnliche Eleganz bewahrt. Zahlreiche Beschädigungen, insbesondere der Farbfassung, unterstreichen sogar den reizhaften Ernst der Statue, der auch durch die fürstliche Bekleidung vermittelt wird. Auf den Schulter Mariä ruht ein roter, pelzgefütterter Mantel, der einst nur Königen vorbeibehalten war. Die Oberbekleidung bildet v-förmige Falten und ist unter die Arme geklemmt, woraus beiderseits feine Kaskaden entspringen. Mit diesem Mantel ist ein goldenes, gegürtetes Kleid bedeckt, dessen vertikale Falten die Schlankheit und Höhe der Figur betonen. Die Würde der Königin war vermutlich noch durch eine Krone ergänzt, die früher auf dem hellen, schön angefertigten Kopftuch Mariä auflag und worauf entsprechende Abarbeitungen hinweisen. Auf dem linken Unterarm hält Maria das Christkind, das mit einem langen, goldenen Hemd bekleidet ist und einen Apfel in der Hand hält.

Die Bildnisse von Maria und Jesu werden durch eine stilisierte Auffassung der Gesichtszüge charakterisiert, die graphisch vereinfacht und überzeichnet sind, wie zum Beispiel die ornamental geschwungene Augenbrauenlinie. Aufgrund dieser Merkmale kann die Ollesheimer Madonna der Gruppe von kölnischen Skulpturen zwischen 1250 und 1350 zugeordnet werden.

Trotz der Steifheit und Stilisierung gibt diese Darstellung eine ungewöhnliche innige Gefühlsverbindung zwischen Maria und Christus wieder. Die Muttergottes hält zärtlich die Gestalt des Kindes, dabei ist ihre Körperhaltung fein und ganz realitätsnah und zeigt das liebevolle Halten ihres Sohnes. Zugleich wendet sich das Christuskind seiner Mutter mit anmutiger Kopfdrehung zu. Den beiden Gestalten fehlt jeweils die rechte Hand, man kann aber vermuten, dass das Christuskind den Apfel ursprünglich gemeinsam mit Maria hielt. Diese Details drücken die emotionale Verbundenheit und besondere Liebe zwischen ihnen aus, was direkt auf eine menschliche Dimension und inneres Leben hinweist.

P. Piesta