Max Liebermann – Die Rasenbleiche. Ein Bild erzählt seine Geschichte

Bild der 10. Woche - 10. März bis 16. März 2014

Max Liebermann, Die Rasenbleiche, 1882
Öl auf Leinwand 109 x 173 cm
Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, WRM 2939

Abbildung der "Rasenbleiche" im Katalog des Pariser Salons von 1883

Farbige Rekonstruktion des ursprünglichen Bildes. Hinzugefügt sind die beiden Frauenfiguren sowie der am unteren Bildrand später entfernte Streifen.

Das Gemälde „Die Rasenbleiche“ zeigt, so wie es heute im Wallraf zu sehen ist, einen tief gestaffelten Blick auf eine Obstwiese mit Haustieren und einem Haus rechts im Mittelgrund, ein Zaun trennt den Vorder- vom Hintergrund. Auf der Wiese zwischen den Bäumen breiten Frauen Wäsche zum Bleichen aus.

Max Liebermann hielt sich 1882, als dieses Bild entstand, für die Sommermonate in Zweeloo in den Niederlanden auf, wo er unter anderem Eindrücke aus dem einfachen Leben auf dem Land in seinen Bildern verarbeitete. Den Obstgarten in Zweeloo hat Liebermann sogar in weiteren Bildern dargestellt.

In einem ersten Schritt malte Liebermann nach mehreren Vorstudien und einer Ölskizze vor der Natur den Garten mit den Bäumen und dem Haus, auch die großen Wäschestücke links entstanden schon dort, was man an den sich nicht überlappenden Farben erkennen kann. Anschließend fügte er im Atelier die Frauen und weitere Wäschestücke hinzu, wobei die Farben auf die schon gemalte Wiese aufgetragen wurden.

Das Bild reichte Liebermann 1883 auf dem Pariser Salon ein, an dem er schon die Jahre zuvor erfolgreich teilgenommen hatte. Allerdings zeigt der Katalog des Salons eine völlig andere Fassung als die, die wir heute sehen. Wie auf der Reproduktion (Bild rechts) zu sehen, kniet im Vordergrund eine junge Frau mit einer großen Haube und breitet ein Tuch vor sich aus. Hinter dem großen Baum trägt eine weitere Frau einen schweren Eimer auf die Wiese. Die junge Frau beherrscht die gesamte Komposition und konzentriert die Aufmerksamkeit auf den Vordergrund.

Die „Rasenbleiche“ wurde von der Pariser Presse heftig kritisiert. Diese Kritik verbunden mit der eigenen Unzufriedenheit, veranlasste Liebermann, das Bild stark zu verändern. Die junge Frau im Vordergrund und die Frau zwischen den Bäumen wurden übermalt. In der nun freien Fläche wurden auf der Wiese weitere Wäschestücke ergänzt. Zudem wurde das Format verändert, indem die Leinwand am unteren Rand um gut 20 cm gekürzt wurde (s. Simulation rechts). Durch diese Änderungen gewinnt die Rasenbleiche eine neuen Charakter, der Fokus liegt nicht mehr auf der jungen Frau im Vordergrund, sondern geht in die Tiefe der Landschaft, die durch das breitere Format noch betont wird.

Technologische Untersuchungen der Malschicht zeigen weitere Veränderung während des Malprozesses, die zeigen, wie Liebermann lange um die endgültige Form gerungen hat.

H. Bachem