Der Vogel am Faden

Bild der 06. Woche - 10. Februar bis 16. Februar 2014

Kölnisch, 1636 Clara Jacoba Froument Öl auf Holz, 105 x 78 cm Kölnisches Stadtmuseum, KSM 1999-120

Die Inschrift rechts identifiziert das dargestellte Kind als Clara Jacoba Froument. Sie wurde 1634 als das älteste Kind einer bedeutenden Kölner Kaufmannsfamilie geboren. Die Eltern Claras waren der aus Antwerpen stammende Seidenhändler Johann Froument und die Kölnerin Maria Volpi. Der Vater bildete mit den Brüdern seiner Frau eine Handelsgesellschaft, in der vermutlich auch die unverheiratet gebliebene Clara aktiv tätig war. Ein dunkelroter, zur Seite geraffter Samtvorhang öffnet den Blick auf ein kleines Mädchen, das vor einem undefiniertem dunklem Hintergrund steht. Das Kind verdeckt zur Hälfte einen Stuhl, dessen Polster Material und Farbe des Vorhangs wiederholen. Clara steht mit beiden Beinen fest auf einem Dielenboden und schaut den Betrachter an. Auf dem Zeigefinger der rechten Hand sitzt ein Vogel, gebunden an einen Faden, den Clara mehrfach um den Zeigefinger der linken Hand gewickelt hat. Finken und andere heimische Singvögel waren früher ein beliebtes Kinderspielzeug. Allerdings deutet der Vogel am Faden auch auf den hohen gesellschaftlichen Status der Familie, wird sogar vereinzelt in der Literatur als Zeichen für verstorbene Kinder interpretiert, wobei streng unterschieden wird, ob der Vogel frei auf der Kinderhand sitzt oder von einem Faden gehalten wird. Stellt das Hündchen neben dem Kind ein Symbol für Familienverbundenheit dar oder ist es lediglich ein Spielgefährte? Dem Geschmack der Zeit folgend, wurde Clara wie eine Erwachsene gekleidet, das blaue Seidenkleid ist nach der Mode des frühen 17. Jahrhunderts auf Taille gearbeitet. Farbe und Material - Seide, Samt und Spitze - besaßen einen hohen Repräsentationswert. Claras Haube, der weiche Spitzenkragen, das Lätzchen, die Spitzenmanschetten der Ärmel und die spitzenverzierte Schürze weisen sie als Kind einer wohlhabenden Familie aus. Dank der Beschriftung ist Clara als Mädchen identifiziert, was aufgrund der Kleidung und der Attribute nicht möglich wäre, da Kinder bis zu fünf Jahren ausnahmslos zu dieser Zeit in Röcke gesteckt wurden. Das Bild Clara Frouments steht in einer Tradition von Porträts, wie sie bei holländischen und flämischen Patrizier-Familien sehr beliebt waren und ebenfalls in Köln in Auftrag gegeben wurden. Als Porträtmaler arbeiteten in Köln Anfang des 17. Jahrhunderts unter anderem Gottfried von Wedig (1583 - 1641), Geldorp Gortzius (1533 - ca. 1618), Franz Kessler (1580 -ca. 1650) sowie Hieronymus van Kessel (1578 - 1636). Versatzstücke wie Vorhang oder Stuhl, ein dunkler, neutraler oder kassetierter Hintergrundsbereich, Beschriftung und Wappen, der Vogel am Faden wie auch die Körperhaltung waren Standards, die sich katalogmäßig auch bei anderen Malern immer wieder finden.

B. Jankowski