Boltenstern?

Bild der 52. Woche - 30. Dezember bis 5. Januar 2014

Das Denkmal auf dem Drachenfels
Entwurf Adolf von Vagedes (1777–1842), herausgegeben von Büsen und Breitenstein in Düsseldorf, kolorierte Radierung, Bl. 47,5 x 31,6 cm – Kölnisches Stadtmuseum

Beim Namen Boltenstern fällt den meisten Kölner die Boltensternstraße ein, die am Zoo vorbei verläuft und an der die Notunterkünfte der Stadt Köln und die „Riehler Heimstätten“ liegen. Die Straße führt gegenüber von Köln-Mülheim durch das Gebiet der ehemaligen Mülheimer Heide. Doch woher stammt nun der Name?
Vor 200 Jahren überquerte Marschall Blücher mit seiner Schlesischen Armee und russischen Truppen bei Kaub in der Neujahrsnacht den Rhein und stieß auf französisches Territorium vor. Seit Napoleons ‚Götterdämmerung‘ in Russland 1812 und der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 waren die Franzosen von den verbündeten Armeen der Gegner gejagt worden. Schon im Dezember 1813 hatten die französischen Beamten in Köln ihren Rückzug vorbereitet und damit begonnen, ihre Habe zu Bargeld zu machen. Der anstehende Rückzug sollte, anders als der von Napoleons Bruder Jèrôme. dem „König Lustik“ (vgl. Bild der Woche 7/1999), geordnet vonstattengehen.
Seit Mitte Dezember hatte der junge preußische Major Ferdinand von Boltenstern (*1786 in Magdeburg) den Auftrag, mit einem kleinen Freikorps vom bergischen Mülheim aus das Gebiet bis zur Siegmündung zu beobachten. Als er von Blüchers Rheinübergang hörte, wollte er es diesem gleich tun und den Rhein bei Köln überqueren. Als Ablenkungsmaöver ließ er 60 Mann bei der Insel Nonnenwerth bei Königswinter übersetzen. Bei dieser Operation fiel der Befehlshaber des Freiwilligen Landsturms, der Steinhauermeister Johann Jospeh Genger.

Mit 200 Männern, darunter 150 bergische Freiwillige, setzte von Boltenstern am 3. Januar 1814 bei Mülheim über den Rhein. Es gelang ihnen, die überraschten Franzosen aus der dortigen Schanze zu vertreiben. Aber bei Riehl stießen sie auf die eilig ins Feld geworfenen französischen Truppen. Boltensterns Jäger mussten zurückweichen. Allerdings hatten die Franzosen Probleme gehabt, ihre Truppen aus der Stadt zu führen. Nach Bekanntwerden der Alarmierung der Garnison waren die Kölner auf die Straßen gestürmt und hatten sich teilweise den Soldaten angeschlossen und dadurch ein nicht unerhebliches Chaos verursacht. Besonders auf dem Eigelstein hatten sich so viele Menschen versammelt, dass französische Offizielle in Unkenntnis des kölschen Charakters und seiner Neugierde schon Sabotage vermuteten.
Die Unordnung bei der Einschiffung beim Rückzug und die Beschießung durch die französischen Soldaten fügten den gescheiterten Angreifern große Verluste zu. Boltenstern wollte als einer der letzten mit seinem Pferd schwimmend den Rhein durchqueren, er wurde jedoch mehrfach getroffen und versank in den Fluten. 20 Männer gerieten in französische Gefangenschaft. Unter ihnen befand sich der Kölner Bürger Prinz, der als Schiffer Fährdienste für Major von Boltenstern geleistet hatte. Er wurde wegen Hochverrats verurteilt und auf der Mülheimer Heide erschossen.

Das hier vorgestellte Blatt zeigt eine Seite des Denkmals für den „Landsturm vom Siebengebirge“ auf dem Drachenfels, das bereits am 18. Oktober 1814 nach einem Entwurf von Adolf von Vagedes (1777–1842) errichtet worden war. Die Inschriften erinnerten an von Boltenstern und Genger. 1843 war das Denkmal, das seinerzeit nach französischem Vorbild in Form eines Obelisken errichtet worden war, in so schlechtem Zustand, dass es abgetragen werden musste. 1857 entstand ein neues, neogotisches Monument nach einem Entwurf vom Kölner Dombaumeister Zwirner (vgl. Bild der Woche 38/2011). U. a auf Wunsch König Friedrich Wilhelms IV. wurde auf die Namensnennungen verzichtet.

 

R. Wagner