Aus Ägypten nach Köln

Bild der 29. Woche - 22. bis 28. Juli 2013

Syrien, Mitte des 14. Jhrs., Moscheelampe, Gold, Email und Glas (hornfarben), Höhe: 38,5 cm, Köln, Museum für Angewandte Kunst Köln, Inv.-Nr. F 538
Syrien, Mitte des 14. Jhrs., Moscheelampe, Gold, Email und Glas (hornfarben), Höhe: 38,5 cm, Köln, Museum für Angewandte Kunst Köln, Inv.-Nr. F 538
Syrien, Mitte des 14. Jhrs., Moscheelampe, Gold, Email und Glas (hornfarben), Höhe: 38,5 cm, Köln, Museum für Angewandte Kunst Köln, Inv.-Nr. F 538

Nachdem im letzten BdW ein Diatretbecher aus der 1. Hälfte des 4. Jahrhunderts gezeigt wurde, sollen in den kommenden Bildern der Woche Objekte der Glaskunst aus späteren Epochen vorgestellt werden. Dieses mit 38,5 cm relativ große Glasgefäß ist eine Moscheelampe, in die ein kleines Ölgefäß mit darin schwimmendem, brennenden Doch eingestellt wurde. Die Wirkung war nicht nur eine besondere Betonung und Vergrößerung der Lichtquelle. Diese gewann durch den vom flackernden Kerzenschein und der Beschriftung des Glases bewirkten „lebendigen“ Schatten auch an inhaltlicher Bedeutung. Das Licht warf die Botschaft der Schrift an die Wände der Moschee. Nach der Verwüstung durch die Mongolen musste die in Syrien künstlerisch und kulturell führende Stadt Aleppo ihren Ruhm mit der aufblühenden Glaskunst aus Damaskus teilen. Bei den Produkten dieser syrischen Glashütte stößt man zunächst vereinzelt auf chinesischen und persischen Einfluss. Im 14. Jahrhundert bilden die chinesisch beeinflussten Waren schließlich eine fest umrissene Gruppe. Diese, speziell für Ägypten produzierte, Moscheelampe die aus dem Bestand des Museums für Angewandte Kunst Köln stammt, ist ein Repräsentant dieser Richtung. Auf den Zonen, die von den schönen ornamentalen Schriftzügen ausgespart blieben, breitet sich hier die naturalistisch bewegte Form der Ranken und Lotospalmetten aus, wie sie aus der chinesischen Ornamentik der Sung-Zeit geläufig ist. Die Bemalung solcher Lampen, die von vornherein auf Fernsicht hin angelegt wurde, hat nichts mehr gemein mit dem exakt hingeschriebenen Dekor älterer Glasgefäße, sondern zeigt einen großzügigen, bunt-impressionistischen, fast flüchtigen Duktus. Die Stiftungsinschrift des Schultergürtels lässt durch die Nennung des Stifters ziemlich genaue Rückschlüsse auf die Entstehungszeit und Verwendung dieses Exemplares zu. Laut Inschrift wurde die Lampe hergestellt für einen Beamten von al- Nāsir (Muhammed), Sail al-din Saichu (gest. 1357), der in Kairo 1349/50 eine Moschee und 1355 dieser gegenüber eine Takkiaya (Kloster) mit Mausoleum ausführen ließ. Ferner gibt die Inschrift des trichterförmigen Halses einen häufig in diesem Zusammenhang verwendeten Koran-Vers wieder (Anfang der Sure XXIV, 35), in dem die Rechtfertigung und zugleich symbolische Bedeutung für alle gläsernen Moscheelampen ausgesprochen ist: „Allah ist das Licht der Himmel und der Erde. Sein Licht gleicht dem in einer Nische in einer Mauer, in welcher eine Lampe und die Lampe in einem Glas ist. Das Glas scheint dann wie ein leuchtender Stern…“ Dieses Objekt in www.kulturelles-erbe-koeln.de

T. Nagel