Aus Venedig nach Köln

Bild der 30. Woche - 29. Juli bis 4. August 2013

Venedig, letzte Viertel des 15. Jhs., Pokal mit Darstellung eines Hochzeitszuges, vergoldet, Email und Glas (dunkelgrün), Höhe: 15,6 cm, Köln, Museum für Angewandte Kunst Köln, Inv,-Nr. F 1
Detail des Pokals
Detail des Pokals

Nachdem im vorletzten BdW ein Diatretbecher aus der 1. Hälfte des 4. Jahrhunderts und im letzten BdW eine syrische Moscheelampe des 14. Jhs. gezeigt wurde, sollen in den kommenden Bildern der Woche Objekte der Glaskunst aus späteren Epochen vorgestellt werden. Es gibt nur wenige erhaltene Glaspokale aus der ersten Blütezeit der venezianischen Glaskunst im ausgehenden Quattrocento. So kommt diesem Pokal ein besonder Platz in der Sammlung des Museum für Angewandte Kunst Köln zu. Nicht zufällig erinnern die graziöse Zeichnung der Darstellung und die Leuchtkraft der Farben an Glasobjekte orientalischer Herkunft. So ist bereits im 13. Jh. eine enge Beziehung italienischer Glaskunst nach Syrien belegt (s. letztes BdW). Das dunkelsmaragdfarbene, mit eingesprengtem Goldstaub verarbeitete Glas dieses Pokals ist mit Bedacht so hergestellt und unterscheidet sich damit von dem bläulichgrünen, durch eisenhaltige Verunreinigungen der Rohmasse herbeigeführten Zufallsfärbung der deutschen „Waldgläser“ (Name für Produkte der Glashütten des Mittelalters bis zur Neuzeit nördlich der Alpen). Nicht erst Ferdinand Franz Wallraf, aus dessen Sammlung der Pokal stammt, erkannte die besondere Qualität venzianischer Glaskunst, auch den Zeitgenossen dieses Pokals war bewußt, dass es sich hierbei gegenüber der deutschen, mit den Überlieferungen der Antike nicht mehr verbundenen Glaskunst um ein Werk besonderer künstlerischer Qualität handelte. Das speziell gefärbte Glas der Kuppa bildet den Untergrund für eine farbige Emailmalerei, welche friesartig den Pokal umschließt: Ein festlicher Zug auf wiesengrünem Untergrund. Angeführt wird die Festgemeinde von einem hornblasenden Putto zu Pferde (s. Abb. 1 rechts). Kurz dahinter sieht man einen goldenen Festwagen, darauf eine reich gekleidete Frauengestalt auf einem von geflügelten Sphingen flankierten Thron sitzend (Hauptabbildung). Sie wird begleitet von einem Jüngling mit einer Taube in der Hand. Es folgt eine bunte, vielfigurige Menge mit musizierenden Putten und tanzenden Paaren. Auch wenn es antikisierende Motive gibt, die an einen Triumpfzug der Venus erinnert (z. B. Taube als Symbol der Zärtlichkeit und Fruchtbarkeit), so handelt es sich bei der Malerei auf diesem Pokal um einen Hochzeitszug. Auf dieses Thema weist auch die Inschrift am oberen Rand der Kuppa, die man als Motto des Hochzeitspaares für den gemeinsamen zukünftigen Weg deuten kann: Asai dimanda chi servendo tace (Viel fordert der, der dienend schweigt). Dieses Objekt in www.kulturelles-erbe-koeln.de

T. Nagel