Wilhelm Kleinenbroich, Maler

Bild der 25. Woche - 18. bis 24. Juni 2012

Kölner Revolutionäre 1848/49 Ölgemälde auf Leinwand von Wilhelm Kleinenbroich, auf Holz rekonstruiert, 33 x 47 cm Dauerleihgabe aus Privatbesitz im Kölnischen Stadtmuseum
Wilhelm Kleinenbroich, 1895 Fotografie von Jean Schnock, Köln Kölnisches Stadtmuseum

Als Wilhelm Kleinenbroich (s. Bild rechts) vor 200 Jahren am 20. April 1812 in Köln an der Burgmauer 18 zur Welt kam, war er französischer Staatsbürger. Bei seinem Tod am 21. Juni 1895 war er als preußischer Staatsangehöriger auch Angehöriger des Deutschen Reiches. Dazwischen er- und durchlebte er das ganz 19. Jahrhundert mit all seinen Höhen und Tiefen. Der Sohn eines Samtwebers erlernte ein nicht weiter bekanntes Handwerk. 1833 trat er aber in das Atelier des renommierten Malers Simon Meister ein und erlernte dort die Malerei. 1835 machte er erstmals von sich reden, als er an den Karnevalsdekorationen für den Gürzenich beteiligt war. Bald folgten selbstständige Aufträge, er porträtierte Kölner Bürger und dekorierte ihre Häuser mit idyllischen Szenen. 1840 bis 1845 war er in Düsseldorf tätig, um bei den Meistern der Akademie als Mitarbeiter zu lernen. Einen Akademiebesuch konnte er sich wohl nicht leisten. Er kehrte politisiert nach Köln zurück und engagierte sich verstärkt im politisch-sozialen Sektor. Im April 1848 findet man ihn unter den Gründungsmitgliedern von Andreas Gottschalks Kölner Arbeiter-Verein. Als die Revolution sich radikalisierte, wurde dieses von Kleinenbroich durchaus kritisch begleitet. Aber er engagierte sich weiterhin sozial, z. B. im 1849 gegründeten Arbeiterbildungsverein, in dem er Zeichnen und Französisch unterrichtete. Nach dem Tod des beliebten Armenarztes Gottschalk (s. BdW 20/2001) schloss er sich den Demokraten um den Journalisten Hermann Becker (s. BdW 49/2010) an, bis dieser verhaftet und 1852 im Kölner Kommunistenprozess (s. BdW 42/2002) verurteilt wurde. Aus Furchte, ebenfalls verfolgt zu werden, zerschnitten Kleinenbroich oder seine Frau Amalie dieses Bildnis Kölner Revolutionäre und versteckten die einzelnen Teile – ganz vernichten mochten sie das Andenken an die Kampfgefährten denn doch doch nicht. Erst nach Kleinenbroichs Tod ließ sein Neffe Wilhelm das Bild wieder zusammensetzen. Die dargestellten Männer sind großenteils unbekannt, der zweite von links ist Franz Raveaux (1810–1851), neben ihm steht Hermann Becker. In der Mitte – seine Heroen quasi anbetend – hat sich die Künstler selbst platziert. Das Ende der Revolution und die nun einsetzende Reaktion brachte auch für den Künstler Kleinenbroich Veränderungen. Er hatte sich durch seine satirischen Arbeiten bei den lokalen Honoratioren unbeliebt gemacht und erhielt keine öffentlichen Aufträge mehr. Er konnte zwar weiterhin auf einen soliden mittelständischen Kundenstamm zählen, der sich von ihm porträtieren und seine Häuser von ihm ausstatten ließ, aber die Familie lebte nicht im Wohlstand. 1861 erließ die preußische Regierung eine Amnestie für die 48er Revolutionäre, aber erst 1866 bekam Kleinenbroich wieder einen Auftrag für eine öffentliche Dekoration – er war am Triumphbogen auf dem Neumarkt beteiligt, mit dem die siegreichen preußischen Truppen begrüßt wurden. Von nun an gehörte er aber wieder „dazu“ – 1870 gestaltete er das Transparent für die Siegesfeier über Frankreich, 1872 entwarf er die fünf wichtigsten Wagen für den Rosenmontagszug „Sieg und Freude“. Nach seinem Tod stritten alle politischen Richtungen darum, ihn zu vereinnahmen. Und alle hatten Recht – im Laufe seines Lebens war er sicher alles gewesen – Verteidiger der Errungenschaften der französischen Revolution, deutscher Revolutionär und am Ende mit dem preußisch-deutschen Kaiserreich ausgesöhnt.

R. Wagner