Die Kölnerin beim „Sonderbund“ – Olga Oppenheimer

Bild der 21. Woche - 21. bis 27. Mai 2012

Olga Oppenheimer, Ölgemälde auf Papier, auf Hartfaser aufgezogen, 30 x 23,5 cm, Kölnisches Stadtmuseum

Als vor 100 Jahren, am 24. Mai 1912, in der städtischen Ausstellungshalle vor dem Aachener Tor in Köln die Sonderbund-Ausstellung als Überblicksschau über den jüngsten Stand der europäischen Malerei eröffnet wurde, war dort jeder vertreten, den man heute zur klassischen Moderne zählt. Allerdings waren nur wenige Frauen darunter, noch weniger Kölner (nämlich drei) und davon nur eine einzige Kölnerin – die Malerin Olga Oppenheimer. Leider ist ihr dort in Saal 21 gemeinsam mit den Arbeiten rheinischer Kollegen gezeigtes „Stillleben“ verschollen. Olga kam 1886 als ältestes von sechs Kindern des Ehepaares Max Samuel Oppenheimer und dessen Ehefrau Emilie Wilhelmine geb. Oppenheim in der Kölner Schaafenstraße zur Welt. Ihre Eltern betrieben ein florierendes Textilunternehmen und sie wuchs in einem vermögenden, liberalen, jüdisch-bürgerlichen Umfeld auf. 1907 studierte sie mit ihrer Freundin Emilie Worringer in Dachau bei Adolf Hölzel (1853–1934) und an der Akademie in München. Emilie Worringer (geb. 1889) war die Tochter der bekannten Zoogastronomin und Kunstmäzenin Bertha Worringer. Nach einem kurzen Aufenthalt in Köln ging Olga 1909 als Schülerin von Paul Sérusier (1864–1927) nach Paris. Anschließend richtete sie mit Emilie Worringer ein gemeinsames Atelier und eine Mal- und Zeichenschule im Kölner Gereonshaus (Gereonstraße 18–32) ein. Hier gründeten sie 1910 mit Franz M. Jansen (1885–1958) den „Gereonsklub“, in ihren Räumen präsentierten sie aus heutiger Sicht hochkarätige Ausstellungen moderner Kunst, u. a. mit Arbeiten von Vincent van Gogh, Gustav Klimt und Pablo Picasso, hier traf sich Kölns – heftig angefeindete – künstlerische Avantgarde unter der Führung von August Macke (1887–1914). Auch nach dem Umzug an den Friesenplatz wurden z. B. noch Robert Delauney und Paul Klee präsentiert. Olga Oppenheimer selbst stellte erstmals 1910 in der „II. Ausstellung des Kölner Künstlerbundes“ im Wallraf-Richartz-Museum aus, 1911 war sie in der Ausstellung „Graphik Kölner Künstler“ vertreten. Im selben Jahr spaltete sich die „Kölner Sezession (Olga O., Emmy W., August Deusser, Franz M. Jansen) vom Künstlerbund ab und stellte erstmals 1912 in Kölner Kunstgewerbemuseum aus; 1913 war man wieder im Wallraf-Richartz-Museum präsent, dessen Direktor Alfred Hagelstange (1874–1914, seit 1908 Direktor in Köln) sein Haus der zeitgenössischen Kunst weit geöffnet hatte. Auch bei den Ausstellungen der rheinischen Expressionisten war sie präsent. Nach ihrer Teilnahme an der Sonderbund-Ausstellung war sie zudem 1913 die einzige deutsche Repräsentantin in der „Armory Show“ in New York, Boston und Chicago, wo sie mit sechs Holzschnitten vertreten war. Im selben Jahr heiratete sie den Bruder ihrer Freundin, den Gastronomen Adolf Worringer (1882–1960; vgl. auch BdW 2008/48). Sie brachte zwei Söhne zur Welt und gab die Malerei auf, die Gründe hierfür sind nicht bekannt. Möglicherweise machte sich ihre schwere Depressionskrankheit schon bemerkbar. Der Erste Weltkrieg stürzte sie in so tiefe Verzweiflung, dass ihre Familie sie ab 1918 in der Heilanstalt Waldbreitbach bei Neuwied unterbrachte. 1936 ließ sich Adolf Worringer im Zuge der Nürnberger Rassegesetze von seiner jüdischen Frau scheiden. 1941 wurde sie ins Konzentrationslager Majdanek abtransportiert und dort ermordet. Dies hier erstmals publizierte Porträt von Olga Oppenheimer stammt von unbekannter Hand und konnte jüngst vom Kölnischen Stadtmuseum erworben werden

R. Wagner