Andreas Gottschalck
Ein des Andenkens würdiger Kölner

Bild der 20. Woche - 14. bis 21. Mai 2001

Wilhelm Kleinenbroich, Andreas Gottschalck, 1849, Öl auf Leinwand, 71,5 x 59 cm, Kölnisches Stadtmuseum HM 1916/221

Nach dem Tod des beliebten Kölner Armenarztes und Arbeiterführers Andreas Gottschalck wollte sein Freund Heinrich Hölscher eine kleine Broschüre über Gottschalck herausgeben, musste aber feststellen, dass es kein geeignetes Porträt des Geehrten gab. Er bat also den Kampfgefährten und Maler Wilhelm Kleinenbroich (Köln 1814 - 1895 ebd.), "den lieben Todten nach .... Zeichnungen und aus der Erinnerung in Öl" zu malen. "Wie sein Gemälde gelungen, darüber bloß eine Stimme: ohne Kleinenbroichs Arbeit wäre es mit dem Portrait nichts gewesen." Andreas Gottschalck (Düsseldorf 1815 - 1849 Köln), Sohn eines frommen jüdischen Metzgers, studierte nach dem in Köln 1834 abgelegten Abitur in Bonn Medizin. Dieses Studium schloss er 1840 mit der Promotion ab, daneben erwarb er den Magistertitel in Philosophie. Anschließend nahm er eine Stelle als Armenarzt im Kölner Severinsviertel an. 1844 trat er wohl weniger aus Überzeugung als aus praktischen Erwägungen zum evangelischen Glauben über. Einer seiner engsten Freunde wurde der Sozialist Moses Heß, der damals in Köln wirkte. 1848 gehörte Andreas Gottschalck zu den führenden Köpfen der Kölner revolutionären Bewegung. So führte er im März 1848 eine große Anzahl Arbeitsloser zum Rathaus, um eine Petition zu übergeben; im April gründete er, der Rivale von Karl Marx, den Kölner Arbeiterverein. Im Juli wurde er inhaftiert und angeklagt, aber Ende des Jahres freigesprochen. Er verließ Deutschland und reiste über Brüssel nach Paris. Schon bald kehrte Gottschalck zurück, um die kranke Schwester zu pflegen. Nach deren Tod arbeitete er wieder in Köln, das im Sommer 1849 von einer Cholera-Epidemie heimgesucht wurde. Gottschalck erlag schließlich selbst dieser Krankheit. Als man ihn in einem Armengrab auf dem Kölner Friedhof Melaten vor der Stadt beisetzte, folgte ihm ein großer Trauerzug. 1850 kauften Freunde sein Grab als "ewiges Grab" an.Das noch im Todesjahr des Dargestellten, 1849, gemalte Porträt gehört zum Bestand des Kölnischen Stadtmuseums.

R. Wagner