Im Bann des Dreikronenbanners

Bild der 45. Woche - 7. bis 13. November 2011

Kölner Stadtbanner (Dreikronenbanner), Kölnisch nach 1450, bemalte Seide mit Fransenbordüre, 104 x 170 cm, Köln, Kölnisches Stadtmuseum, Inv.-Nr. KSM (HM) 1888 / 11B
Meister der Verherrlichung Mariä, Anna selbdritt und die Heiligen Christophorus, Gereon, Petrus mit Kölner Stadtbild und Siebengebirge, um 1480, Eichenholz, 131 x 145 cm, Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, WRM 0120.

Mit seinem großen rechteckigen Format und dem seitlich angebrachten, langen Schwenkel entspricht das Dreikronenbanner dem gängigen Typus wehender Banner, die auf zahlreichen Kölner Tafelmalereien des 15. Jhs. zu sehen sind. So sind auf Stefan Lochners Altar der Stadtpatrone im Kölner Dom gleich mehrere Beispiele dieser Art zu sehen, wie das Banner mit dem Brustkreuz des Hl. Gereon, das auch auf der Tafel des Meisters der Verherrlichung Mariens von Gereon an einer Fahnenstange gehalten wird (s. Bild rechts). Bei diesem Dreikronenbanner handelt es sich jedoch nicht um ein fiktives Wappenbanner eines Heiligen, sondern um das "banerium civitatis", das offizielle Stadtbanner Kölns. Auf seidenen Grund gemalt, dominieren über einem Ornamentfeld die drei namengebenden Kronen in Gold als Symbol für die Heiligen Drei Könige die Darstellung. Das Dreikronenwappen, das sich auf dem Schwenkel sechsmal wiederholt, bildete sich seit dem Beginn des 14. Jhs. als Kölner Stadtwappen aus. Es ist davon auszugehen, dass es bereits seit dieser Zeit Stadtbanner gab. Ein solches wird auf einem Holzschnitt in der Koelhoffschen Chronik dargestellt. Bei Aufständen sollten „alle wehrfähigen, in den Gaffeln organisierten Bürger unter dem Banner als Schutz für die Stadt zusammentreten“ – so besagen es die Verfügungen im Verbundbrief von 1396. Der Aufbewahrungsort des Banners wurde streng geheim gehalten. Anvertraut wurde es 22 Bannerherren, die von den Gaffeln bestimmt wurden. Nur vier von ihnen besaßen einen Schlüssel zur „Bannerkist“, in der es verschlossen wurde. Diese Praxis veranschaulicht den hohen Wert des Stadtbanners, das durch eine Fahnenweihe sakralen Status erlangte. So erklärt sich auch die starke Traditionsgebundenheit, die dazu führte, zerschlissene Banner nicht zu vernichten und die Gestaltungsweise der neuen an ihre Vorgänger anzulehnen. Im Kölnischen Stadtmuseum befindet sich noch ein zweites, sehr verwandtes Dreikronenbanner (Inv.-Nr. KSM (HM) 1888 / 10B); dieses wird vor 1450 datiert, sodass davon auszugehen ist, dass beide Banner nacheinander in Gebrauch waren. Die lange Zeit in der Literatur zu findende Zuweisung der Banner an Stefan Lochner führte zu der Bezeichnung „Lochner-Fahne“. Obgleich Lochner (1442 bis 1451 in Köln tätig) für einen Herrschaftsbesuch von Friedrich III. 1442 im Auftrag der Stadt Dekorationen wie Schilde und Trompetenbanner mit dem Drei- Kronen-Wappen anfertigte, wird die Zuweisung der Stadtbanner an ihn in der neuesten Forschung bezweifelt. Das mit hohem künstlerischem und technischem Anspruch ausgeführte Banner ist noch bis zum 26.02.2012 in der Ausstellung "Glanz und Größe des Mittelalters" im Museum Schnütgen zu sehen. Die Partien der gemalten Kronen und der Wappen im Schwenkel sind weitgehend original, die Ornamentfelder eine spätere Ergänzung, wahrscheinlich über spärlichem Originalbefund. Das Banner wurde anlässlich der Ausstellung 2011 konserviert und gefestigt.

S. Werth