Aus der Pionierzeit des Automobils

Bild der 37. Woche - 12. bis 18. September 2011

Kölner Motorwagen Vis-à-Vis, Kölner Motorwagen-Fabrik GmbH (vormals Heinrich Brunthaler), Köln-Sülz, 1901/02, Holz, lackiert, Metall usw., max. H: 152 cm, max. L: 250 cm, max. B: 130 cm. Köln, Kölnisches Stadtmuseum
Typenschild des abgebildeten Automobils

In Köln-Sülz begannen die Kölner Ingenieure Uren und Molineus 1897 mit dem Automobilbau. Ihre Firma nannte sich „Kölner Motorwagen-Fabrik GmbH“ (vormals „Heinr. Brunthaler“). Zunächst stellten sie Dreiradfahrzeuge in Lizenz des französischen Herstellers „De Dion-Bouton“ her, seit 1900 auch einen Wagen mit vier Rädern. Aus dieser Zeit, dem Jahr 1901 oder 1902, stammt das hier gezeigte Automobil: ein Pionierfahrzeug aus den Anfangsjahren der Serienfertigung. Die damals noch typische Sitzanordnung – man saß sich einander gegenüber – gab dem Fahrzeugtyp seinen Namen: Es handelt sich um einen „Vis-à-Vis“. Die Karosserie, noch der Form einer Kutsche entlehnt, besteht aus rot lackiertem Holz mit ursprünglich schwarz gepolsterten Lehnen. In der Mitte befindet sich der Lenkstock, von dem aus auch das Zweiganggetriebe mit einem Hebel geschaltet wird, die Motorkraft wird vom Getriebe an die Hinterräder über einen Riemen geleitet. Gebremst wird mit einer Außenhandbremse, die sich auf die hölzerne Bremsklötze an den Hinterrädern überträgt. Unter dem Rücksitz befinden sich der Tank und die Zündung, der Viertakt-Einzylindermotor mit 6 – 8 PS vorne unter dem Sitz. Er wird mit einer Anlasskurbel von Hand gestartet. Er ist wassergekühlt nach einem eigens entwickelten Patent, die Kühlspirale ist vorne sichtbar. Als Beleuchtung dienen vorne seitlich zwei geschlossene Kerzenlampen und in der Mitte eine Karbidlampe, das Rücklicht ist eine Öllampe. 1903 wurde die „Kölner Motorwagen-Fabrik GmbH“ umbenannt in „Motorfahrzeugfabrik Köln, Uren, Kotthaus & Co“. Von nun an hatten die dort produzierten Automobile den Markennamen „Priamus“. Bis 1905 fertigte man neue Modelle mit 8–10, 16–18 und sogar 18–20 PS, bis 1908 auch Luxusmodelle. Dann brach die Autokonjunktur ein und die Firma meldete Konkurs an. Zu Beginn des Jahres 1910 gründete ein Kölner Bankenkonsortium die Firma in Zollstock unter dem Namen „Priamus-Automobilwerke GmbH“ neu. Bis zum Beginn des Krieges 1914 fertigte man nun Mittelklassewagen mit bis zu 24 PS. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Produktion dann mit diesem Wagen in einer sportlicheren Version unter der Marke „Priamus“ wieder aufgenommen. Im Frühjahr 1923 wurde die Firma schließlich von der Möllenkamp-Werken AG für Fahrzeugbau in Düsseldorf übernommen. Dieses Automobil ist das einzige bekannte Exemplar, das im Original erhalten ist. Nur kleinere Teile des Motors und die vorderen Felgen und Reifen wurden erneuert. Es wurde für das Kölnische Stadtmuseum im August 2011 aus Privatbesitz erworben mit Mitteln des Kulturdezernats der Stadt Köln.

M. Kramp