Ein evangelischer Dombaumeister in Köln

Bild der 38. Woche - 19. bis 25. September 2011

Erich Correns, Ernst Friedrich Zwirner, 1861, Öl auf Leinwand, 248 x 176,5 cm, Kölnisches Stadtmuseum als Dauerleihgabe des Wallraf-Richartz-Museums & Fondation Corboud.

Im August 1858 gab die Stadt Köln bei dem in Köln geborenen, in München arbeitenden Maler Erich Correns (1821–1877) ein repräsentatives Gemälde in Auftrag – es war das erste offizielle Porträt nach dem Ende der freien Reichsstadt und es zeigte keinen Oberbürgermeister, sondern den evangelischen Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner. Dessen 25-jähriges Dienstjubiläum war Anlass für den Bildnisauftrag. Zwirner war am 29. September 1802 in Jacobswalde im oberschlesischen Bergbaugebiet als viertes von zwölf Kindern geboren worden. Sein Vater stand als Hüttenbeamter in Diensten des Fürsten von Hohenlohe. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Brieg und der Bauschule in Breslau studierte er zwischen 1823 und 1828 an der königlichen Bauakademie und an der Universität in Berlin. Seit 1828 arbeitete er für die Berliner Oberbaudeputation, wo er die Aufmerksamkeit Karl Friedrich Schinkels (1781–1841) erregte. Nach dessen Entwürfen erbaute Zwirner zwischen 1829 und 1831 das Rathaus in Kolberg. Er selbst entwarf die dortige reformierte Kirche, die 1834 vollendet wurde, und die ebenfalls 1834 errichtete Börse in Stettin. Zwischen 1832 und 1834 entstand nach Plänen Zwirners und Wilhelm Heinrich Matthias‘ (gest. 1846) das Hauptgebäude der Universität Halle – Wittenberg. Damit war er prominent genug, um in Köln auf die Stelle des kürzlich verstorbenen preußischen Bauinspektors Friedrich Adolf Ahlert (1788–1833) berufen zu werden, der für die Restaurierungsarbeiten am unvollendeten Kölner Dom zuständig gewesen war. Im August 1833 übernahm Zwirner die Leitung der Arbeiten am Dom. Diese bestanden zunächst im Wesentlichen in der (Re-)Organisation der Domhütte, der bildnerischen Ausschmückung des Doms und der Wiederherstellung des Chores. Hierbei setzte sich Zwirners Vorstellung, dass der Dom den alten Plänen gemäß weitergebaut werden sollte, durch. Im Mai 1842 wurde er zum Regierungs- und Baurat ernannt, im September 1842 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung für den Weiterbau. Zwirner fand neben seiner Tätigkeit am Kölner Dom auch noch Zeit, als Privatarchitekt zu wirken. Zu seinen bekanntesten Arbeiten im Rheinland zählen Entwurf und Errichtung der neugotischen Apollinariskirche bei Remagen zwischen 1839 und 1843 im Auftrag von Franz Egon von Fürstenberg-Stammheim (1797–1859) sowie die umfassende Restaurierung des im Dezember 1839 eingestürzten Rolandsbogens. 1849–1855 zeichnete Zwirner für den Umbau von Schloss Arenfels bei Bad Hönningen verantwortlich, auch Schloss Moyland verdankte seine neugotische Veränderung 1854 dem Kölner Dombaumeister. 1859–1861 wurde nach seinen Entwürfen die Kölner Synagoge in der Glockengasse neu errichtet (vgl. Bild der Woche 35/2011). Ernst Friedrich Zwirner starb am 22. September 1861, also vor 150 Jahren. Die Fertigstellung des Kölner Domes erlebte er nicht mehr – man war eben mit dem Dachreiter fertig geworden. Es sollte noch fast 20 Jahre dauern, bis Zwirners Lebenswerk vollendet war. Und doch hatte der Rat der Stadt schon frühzeitig die Bedeutung des Doms für Köln erkannt – und den evangelischen Dombaumeister mit einem großen Porträt inmitten seiner „Arbeitsstelle“ aus der Hand eines anerkannten Meisters geehrt.

R. Wagner