Geheimtipp Nr. 2

Bild der 43. Woche - 24. bis 30. Oktober 2011

Johannes Christian Deiker, Hund auf der Jagd, Öl auf Leinwand, 79 x 97,5 cm, Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Inv.-Nr. WRM 3419

Seit dem 21. Oktober zeigt das Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud in Köln (kurz: "Wallraf" genannt) anlässlich seines 150-jährigen Bestehens in einer Ausstellung mehrere hundert (!) Werke aus dem Depot des Hauses. Normalerweise sind mehr als drei Viertel aller Gemälde dieses Museums hier verborgen. Somit können sich die Besucher in dieser Ausstellung mit dem Titel "Panoptikum" auf eine einmalige Entdeckungsreise durch 700 Jahre Kunstgeschichte begeben. Dabei haben sie auch die Möglichkeit ihr Lieblingsbild zu küren. Das Gemälde mit den meisten Stimmen wird für ein Jahr in der Ständigen Sammlung zu sehen sein. An dieser Stelle stellen wir wieder ein Gemälde vor, welches in der Ausstellung zu sehen ist und so als Lieblingsbild in Frage kommen könnte. Gemälde aus dem Depot sind immer auch Gemälde, die nicht mehr oder noch nie im Fokus der Forschung standen. Ihr Dasein in den verborgenen Kellerräumen verdanken sie sehr unterschiedlichen Gründen. Einmal ist es der Erhaltungszustand, der ein Ausstellen nicht erlaubt. Ein anderes Mal ist es die Qualität der Malerei, die den Hauptwerken des Museums nicht adäquat ist. Wiederum ein anderes Mal ist es einfach der fehlende Platz oder das nicht zum Bild passende kunstgeschichtliche Umfeld in der Galerie, die verhindern, dass ein Gemälde das Depot verlässt. Ein Kandidat für den letzteren Fall könnte dieses hinreißend schön gemalte Tierbild eines jagenden Hundes sein. Das im Schnee laufende Tier (vielleicht ein Flat Coated Retriever?) ist auf Anhieb sympathisch. Seine Haltung ist nicht von Aggressivität und Jagdlust geprägt. Eher verspielt hat er sein Lauftempo reduziert, um nach der verlorenen Spur des Hasen zu suchen. Das hat er wohl mit dem Betrachter gemein, denn auch dieser sieht den Hasen erst auf den zweiten Blick (oder?). Besonders reizvoll ist die Verbindung von schwarzem Fell und weißer Landschaft, von dunklem Schwarz und nebligem Weiß. Die ausfechernden Haare des Schwanzes werden in den aus dem Schnee ragenden Gräsern wiederholt. Mit großem Einfühlungsvermögen wird die winterliche Stimmung dieser Waldrand-Lanschaft wiedergegeben. Die Bäume und schließlich der ferne Wald schimmern dunkel durch die nebelige Luft. Indem der vom Maler gewählte Blickpunkt nur knapp über dem des Hundes liegt, bekommt das Geschehen eine Unmittelbarkeit, die diese Jagdszene zu einem Porträt eines konkreten Hundes werden lässt. Dieser Hund muss dem Maler mit Namen bekannt sein. Dies kann man auch der Tatsache entnehmen, dass es weitere Tierbilder dieses konkreten Hundes aus der Hand des gleichen Malers gibt. Der Maler dieses Bildes, Johannes Christian Deiker, wurde 1822 in Wetzlar geboren. Nach ersten Studien in Hanau und Frankfurt übernahm er mit 21 Jahren die Stelle seines Vaters als Zeichenlehrer am Gymnasium in Wetzlar. Bekannt wurde er vor allem durch seine Tier- und Jagdmotive, denen er sich vor allem in den 40er und 50er Jahren des 19. Jahrhunderts widmete, als er Hofmaler des Fürsten Ferdinand von Solms-Braunfels in Braunsfeld wurde. Im Jahre 1868 zog er nach Düsseldorf und wurde Mitglied der dortigen Künstlervereinigung "Malkasten". Er starb am 23. mai 1895 ebendort.

T. Nagel