Buchseite (fol. 163v) mit der Bildinitiale A aus dem Antiphonar Band 1 der Anna von Hachenberch

Bild der 15. Woche - 11. bis 17. April 2011

Buchseite (fol. 163v) mit der Bildinitiale A aus dem Antiphonar Band 1 der Anna von Hachenberch, Schnütgen-Museum C 44a
Ausschnitt der oberen Kartenkante

Einer Initiale, die aus violettem Astwerk geflochten ist und auf goldener punzierter Fläche erscheint, ist das Bild der Auferstehung Christi einbeschrieben. Jesus Christus entsteigt mit segnendem Gestus dem zwischen grünen Hügeln plazierten Sarkophag, den zwei Wächter schlafend belagern. Ein kleiner, blondgelockter Engel in weißem Hemd sitzt, das Wunder bezeugend, auf dem zurückgeschobenen Sargdeckel. Die Stadt Jerusalem, mit Toren und Türmen in ganz mittelalterlichem Gewand, fängt den in die Ferne schweifenden Blick des Betrachters auf, und über blauen Dächern kündet ein breites, leuchtend orangefarbenes Band vom neuen Tag. Diese etwa 15 cm hohe in seiner Detailfreude und Farblust bestechende Bildinitiale eröffnet die Messgesänge zum Fest der Auferstehung des Herrn. Sie sind in ein zweibändiges Antiphonarium officii eingebunden, das die in der Messe erklingenden Gesänge enthält. Die großformatigen Folianten verdanken ihre Entstehung in den Jahren 1520 bis 1530 den Fraterherren am Weidenbach und auch den Augustinerinnen von St. Cäcilien zu Köln, von denen zumindest Anna von Hachenberch laut Vermerk am ersten Band mit eigener Hand beteiligt war. Die kleine, aber hinsichtlich ihrer Geschichte und Buchkunst bemerkenswerte Sammlung des Schnütgen-Museums, umfaßt neben dem Antiphonar drei weitere illuminierte Handschriften und acht Einzelblätter. Das Schnütgen-Museum bewahrt als älteste Handschrift ein Evangeliar der franko-insularen Schule, das um 860-880 in Saint-Amand geschrieben und mit prachtvollen Bild- und Titelseiten in Gold und Silber sowie mit verschiedenen Deckfarben geschmückt worden ist. In der Sammlung findet sich auch ein Immerwährender Kalender dänischer Provenienz von 1584, der einzigartig ob seines Formates, faszinierend ob seiner Ausstattung und privaten Nutzung ist. Mit einem kleinen Bändchen konnte der Kalender zu einem Leporello im Format von 37 x 40 mm zusammengefaltet werden. Der Ausstellungs- und Bestandskatalog der Handschriften und Einzelblätter (Ausstellung Mittelalterliche Buchkunst, Juni/August 1997) wurde von Prof. Anton von Euw geschrieben, der nach 35jähriger Tätigkeit am Schnütgen-Museum in den Ruhestand tritt. Durch seine museale Arbeit, seinen Beitrag zu allen großen Ausstellungen des Schnütgen-Museums in dieser Zeit und mit seiner umfangreichen Forschungstätigkeit hat er zum hohen wissenschaftlichen Ansehen des Hauses im In- und Ausland beigetragen. Das Buch, ein Abschiedsgeschenk des Verfassers an das Museum, ist zugleich mit dieser Ausstellung als Würdigung und Dank des Museums an Prof. Anton von Euw zu verstehen.

K. Böse