Weihnachtsstimmung

Bild der 51. Woche - 20 bis 26. Dezember 2010

Gerrit van Honthorst, Die Anbetung der Hirten, 1622, Öl auf Leinwand, 164 x 190 cm, Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, WRM 2122

In der christlichen Literatur gibt es seit frühchristlicher Zeit und durch alle Jahrhunderte Texte, welche das heilsgeschichtliche Handeln Gottes besingen. Angefangen von den neutestamentlichen Hymnen – wie z. B. das Magnificat (Lk1,46-55) oder das im Philipperbrief überlieferte Christusbekenntnis (Phil 2,5-11) – bis hin zu den hymnischen Texten etwa einer Gertrud von le Fort (gest. 1971) prägten und prägen diese Text das spirituelle Leben der Christen. Dabei ist die Breite der Wirkung sehr groß. Hymnen prägen das kirchliche, den Ordensleuten und dem Klerus obliegende Stundengebet ebenso wie in der Form des Kirchenliedes den einfachen Gottesdienst der Gläubigen. Insgesamt handelt es sich nicht um eine kleine Zahl von hymnischen Texten, sondern um einen reichen Schatz, der in vielen Jahrhunderten auch über die Grenzen der Konfessionen hinweg in der christlich geprägten Öffentlichkeit seinen Platz hatte. So gehören zu den beliebtesten Kirchenliedern (auch der Katholiken) Texte, die aus der Feder protestantischer Dichtern stammen: "Ich steh an Deiner Krippe hier" oder "O Haupt voll Blut und Wunde" (beide von Paul Gerhardt, gest. 1676). Gerade das Weihnachtsfest steht im Mittelpunkt vieler Hymnen und Liedtexte und es ist sicherlich nicht abwegig, Malerei und hymnisches Gotteslob in Verbindung zueinander zu stellen, vor allem dann, wenn es sich durch den Einsatz des Lichtes um ein besonders stimmungsvolles Gemälde handelt. An dieser Stelle soll nicht die These aufgestellt werden, dass unserem Bild der unten zitierte Hymnus zugrunde liegt. Vielmehr soll gezeigt werden, wie sich der Text eines Gebetes und die Stimmung eines Bildes verbinden können. Gerrit van Honthorst, Die Anbetung der Hirten, 1622 und Clemens Aurelius PRUDENTIUS (geboren 348): Hymnus " Divinum Mysterium": Aus des Vaters Herz geboren, ehe Welt und Zeit begann, Christus, A und O der Schöpfung, Ziel und Ursprung aller Welt, allen Seins, das je gewesen, das jetzt ist und kommen wird. Die Gestalt des schwachen Fleisches und des Leibes Totenkleid zogst du an, daß wir nicht sterben an dem ersten Todeskeim und im Abgrund des Gesetzes ohne Rettung untergehn. Seht, nun strahlt ein neuer Morgen, Christus, unser Heil, erscheint, den die Kraft des Geistes zeugte, den die Jungfrau uns gebar. Und im Kinde offenbart sich der Erlöser aller Welt. Den der Seher dunkle Rede uns als Retter angesagt, den in langer Zeit des Harrens der Propheten Glaube sah: Er ist da, den sie verheißen. Grüßt ihn jubelnd mit Gesang. Gott dem Vater sei die Ehre, der uns seinen Sohn gesandt, Ehre Christus, unserm Retter, den die Jungfrau uns gebar, Ehre auch dem Heil'gen Geiste, Ruhm und Preis und Lobgesang immer und in Ewigkeit. Amen.

T. Nagel