Geht’s nun weiter?

Bild der 4. Woche - 26. Januar bis 1. Februar 2009

Li Keran (1907-1989) Kleiner Hirte mit Wasserbüffel Tusche und leichte Farben auf Papier, 45 x 34 cm Museum für Ostasiatische Kunst Köln, Inv. Nr. A 58,10

Schon seit einigen Tagen gehen die Bilder durch die Medien, in denen das bunte und fröhliche Treiben zum chinesischen Neujahrsfest zu sehen ist. Gut gelaunt hoffen die Menschen, dass es im Jahr des Büffels auch wirtschaftlich wieder aufwärts geht, zumal der Stier ja auch Symbol der Aktienbörsen ist (gewöhnlich wird im Chinesischen zwischen Rind, Kuh, Stier, Ochse kein Unterschied gemacht). Lustig scheint auch diese Tuschezeichnung zu sein: Ist es ein Ballon in Kuhform, welcher von einem kleinen Junge gebändigt wird? Ausschlaggebend für diese auf dem zweiten Blick anzuzweifelnde Interpretation ist die unterschiedliche Perspektive, mit welcher der Künstler Knabe und Tier darstellt. Entweder schwebt der Büffel und der Knabe hält ihn als Ballon oder das Tier wird von oben gezeigt und der Knabe liegt auf der Seite. Die mit knappen Linien angedeutet Umgebung hilft nur insofern weiter, als sie verdeutlicht, dass der Büffel auf dem Boden steht und wohl von oben gesehen ist. Damit bleibt die vom Maler gesetzte Spannung der Perspektiven letztlich ungelöst. In den Größenverhältnissen und der farblichen Präsenz ist die Bildsprache jedoch deutlich: Im Verhältnis von Mensch und Tier gibt der Hirte die Richtung vor, als dominant wird vom Maler jedoch das Tier dargestellt. Es bleiben weitere Fragen: Die Schnur, an welcher der Knabe zieht (ist es wirklich ein Knabe?), ist nicht gespannt: zieht er nun wirklich, oder haben ihn schon die Kräfte verlassen? Das Jahr des Büffels beginnt in diesem Jahr am 26.01. Der Legende nach von der Ratte um den ersten Platz im Wettrennen nach dem Aufruf Buddhas gebracht, ist der Büffel das zweite Tier im chinesischen Tierkreis. Es ist ein Pflugtier. Viele Chinesen essen noch heute kein Rindfleisch, weil es unmoralisch sei, das Tier zu töten und zu essen, was einem bei der Ernte hilft und darum Dank verdient. Dieses Tabu könnte durch den Buddhismus nach China gekommen sein, weil es sich mit indischen Speiseverboten - kein Fleischgenuß, besonders kein Rindfleisch - verbindet. So ist das Rind/der Büffel Sinnbild des geduldigen Dieners und der friedlichen Stärke. Zum Beginn des Jahres des Büffels ist dieses Bild auch ein Zeichen, dass dieses Jahr ein Jahr der langsamen und beharrlichen, doch positiven Entwicklung sein wird. Der Büffel mit seiner Kraft, Zuverlässigkeit und Beständigkeit ist immer ein Symbol der Solidität und des allmählichen, kontinuierlichen Fortschrittes. Im Bild der Woche steht dieser Beitrag - als zwölfter (s. Auflistung rechts) am Ende der Serie zu den chinesischen Tierkreiszeichen und komplettiert damit eine über 12 Jahre laufende Serie.

Redaktion Bild der Woche