1. "Der Merlo"

Bild der 3. Woche - 19. bis 25. Januar 2009

Merlo, Johann Jakob Kölnische Künstler in alter und neuer Zeit. Neu bearb. u. erw. von Eduard Firmenich-Richartz. U. Mitw. v. Hermann Keussen. M. zahlr. bildl. Beil. Düsseldorf: Schwann, 1895. KSM, Bibliothek, annotiertes Handexemplar Leinen, Leder, Pappe, Papier 28,5 x 20,5 cm

NEUE SERIE: Um Köln verdient In dieser Serie des Bildes der Woche sollen ab dieser Woche Persönlichkeiten gewürdigt werden, die sich um Köln verdient gemacht haben, ohne Ansehen, ob es sich um hier geborene, also echte Kölsche oder Imis handelt. (Letztere dürften dabei in der Überzahl sein, weiß man doch, der Kölner an sich, dä es nit bang vör der Arbeid, dä läht sich deech donevve.)* Die Reihenfolge ist weder nach Alphabet (Adenauer...) noch nach Verdienst (Adenauer...) arrangiert, sondern versucht in lockerer Folge, auch nicht so bekannte Persönlichkeiten, wie eben heute Johann Jakob Merlo (1810-1890) vorzustellen. Ungefähr 303 Meter widmet die Stadt Köln ihrem Sohn: So lang ist die Verbindung zwischen Reichenspergerplatz und Neusser Wall, die seit 1893 den Namen Merlostraße trägt. Merlos Familie war aus Spanien nach Köln gekommen. Sein Vater, der Notar Nikolaus Merlo starb, als sein Sohn 10 Jahre alt war. Daraufhin gezwungen, seine Gymnasial- zugunsten einer kaufmännischen Ausbildung aufzugeben, konnte er sich erst 1831 nach dem Tod der Mutter, wodurch ihm ‚ein nicht unbeträchtliches Vermögen zufiel’ (ADB), seinen antiquarischen Interessen widmen. Er sammelte Kunstgegenstände, Graphik und Landkarten und interessierte sich für Lokal- und Kunstgeschichte. Darüber hinaus dilettierte er in jugendlichem Alter auch als Dichter: „Für immer schloss mein Weib die Augen zu. Welch Glück für ihre, wie für meine Ruh.“ (1830) (Dieses Epigramm bezog sich nicht auf seine Frau, die er erst später kennenlernte und mit der er laut Überlieferung eine einträchtige Ehe bis zu ihrem Tod führte). Sein großes Verdienst war jedenfalls, erstmals eine Zusammenstellung der Lebensdaten und Werke kölnischer Künstler anhand urkundlicher Quellen und eigenen Nachforschungen vorzulegen. 1850 erschienen seine „Nachrichten von dem Leben und den Werken Kölnischer Künstler, dem der bescheidene Autor voranschickt: „Ich begann Künstlernachrichten aufzuzeichnen, ursprünglich nur zur eigenen Belehrung bestimmt, die im Laufe der Zeit zu einem nicht geahnten Umfange heranwuchsen, so daß sie in ihrer hier vorliegenden Gestalt, mit Einschluß der Zugaben, nahe an 2000 Namen umfassen…“ Damit nicht genug, 2 Jahre später folgt sein Band über „Die Meister der Altkölnischen Malerschule“, den er auf Grund quellenmäßiger Überlieferung aus Schreins- und Rechnungsbüchern, Ratsprotokollen und Chroniken von Stiften und Klöstern zusammengestellt hatte. Vierzig Jahre später erschienen die beiden Titel in einem Alphabet zusammengefasst, wesentlich neu bearbeitet und ergänzt von Eduard Firmenich-Richartz und Hermann Keussen als „Kölnische Künstler in alter und neuer Zeit“. Die Neubearbeitung bringt andere Aufnahme-, aber auch Ausschlusskriterien mit sich, wie Firmenich-Richartz in seinem Vorwort erläutert: „Entschlossen strich der Unterzeichnete die Namen Rubens, Dürer, Massys, Schorel, Corn, Schut, Otto Venius, Herregoudts, Charles Le Brun, Vivien, Peter Tays u. a. aus der kölnischen Künstlergeschichte, und ist erbötig, diese Gewaltthätigkeit gegen Jedermann zu verantworten. Die Biographien kölnischer Künstler wurden dagegen bis zur Gegenwart fortgesetzt, erweitert und ergänzt.“ Letzteres schien wieder Mitte des 20. Jahrhunderts geboten, als die Stadt Köln den Kunsthistoriker Prof. Dr. Otto H. Förster (1894-1975; Direktor der Wallraf 1933-1945; Generaldirektor der Museen 1957-1960) beauftragte, den Merlo erneut zu aktualisieren. In den Jahren 1950-1957 erhielt Förster dafür ein Honorar von 33.820 DM; leider ist dennoch kein neuer Merlo entstanden (HAStK, Acc.1745/2, ungez. Bll.). Und so bleibt eine Erneuerung dieses wertvollen Nachschlagewerks auch im 21. Jahrhundert ein Desiderat, dass doch bitte ein motiviertes Projektteam alsbald in Angriff nehmen möge! * Der hat keine Angst vor der Arbeit, er legt sich dicht daneben.

B. Alexander