Lorbeer/Eichenkranz zum Essen

Bild der 2. Woche - 12. bis 18. Januar 2009

Teller aus dem sächsischen Wellington-Service, Meißen, Bemalung von Georg Friedrich Kersting, um 1818, Porzellan, Durchmesser 24 cm, Köln, Museum für Angewandte Kunst, Ov 107, Dauerleihgabe der Overstolzengesellschaft

Im Spiegel dieses Porzellantellers ist der Blick auf die Elbe in der Nähe von Dresden dargestellt: Der Blick auf die kleine Stadt Pirna und ihre Festung Sonnenschein. Der um 1818 hergestellte Teller, der sich heute im Museum für Angewandte Kunst in Köln befindet, offenbart die Meisterschaft der sächsischen Manufaktur Meißen im Bereich der Vedutenmalerei. Der goldradierte Kranz aus Eichen- und Lorbeerlaub mit dem grünweißen Band des 1815 gestifteten, sächsischen Zivilverdienstordens auf dem Tellerrand erweist König Friedrich III. von Sachsen als Auftraggeber. Der Teller gehört zu dem ca. 140-teiligen Desertservice, das der König für den Herzog von Wellington als Huldigung an den berühmten Gegner Napoleons anfertigen ließ. Die Bemalung der einzelnen Geschirrteile wiesen Landschaften und Ereignisse auf, die einen Bezug zum Wirken des großen Feldherren oder zu Schlachten gegen das napoleonische Heer zum Inhalt hatten. Bei Pirna hatten sich die Franzosen 1813 in Fort Sonnenschein verschanzt – Wellington selbst kämpfte dort jedoch nicht. Derartige Staatsgeschenke in Gestalt wertvoller Service oder ebenso wertvoller Porzellanaufsätze waren eine aus dem 18. Jahrhundert übernommene und bewährte diplomatische Gewohnheit. So erhielt Wellington auch von anderer Seite weitere prachtvolle Porzellanservice. Alle diese Ehrengaben sind noch heute nahezu komplett in Apsley-House, dem Londoner Stadtpalast des Herzogs erhalten. Nur wenige Stücke – wie dieser Teller – fanden den Weg hinaus. Auf welchem Wege dies geschah, ist nicht geklärt, vielleicht wiederum als Geschenk. Der Maler dieser kleinen Vedute ist namentlich bekannt: Georg Friedrich Kersting, 1785 in Güstrow geboren und 1847 in Meißen gestorben. Er trat 1818 als Maler in die königliche Manufaktur zu Meißen ein. Dieser Teller wird somit zu seinen ersten Aufträgen gehört haben. Kersting war Schüler von Caspar David Friedrich, der seit 1816 an der Dresdner Akademie lehrte. Da er die Umgebung von Dresden aus eigener Anschauung gut kannte, wird er bei diesem Bild nicht auf Stiche von anderen Kollegen als Arbeitsvorlagen zurückgegriffen haben müssen – wie dies für andere Orte des Service gilt. Anregungen wird er jedoch von Gemälden Canalettos (Bernardo Bellotto, dem Neffen den "Venizianischen Canaletto") erhalten haben, der zwischen 1747 und 1756 in Dresden als hochgeschätzter Hofmaler arbeitete und in dieser Zeit allein 11 Ansichten von Pirna malte.

B. KlesseT. Nagel