Uns Willy – Willy Millowitsch zum 100. Geburtstag am 8. Januar 2009

Bild der 1. Woche - 5. bis 11. Januar 2009

Toni May (1914–2004), Willy Millowitsch, 1985 Öl auf Hartfaserkarton; 107 x 87 cm Köln, Kölnisches Stadtmuseum, Inv.-Nr. KSM 1986/321

Die Ursprünge des Millowitsch-Theaters liegen im Puppenspiel. Erst Willy Millowitschs Großvater Wilhelm († 1909) und dessen Ehefrau Emma († 1930) belebten die Bühne ihrer „Plattkölnischen Volksbühne“ mit Menschen. 1908 mieteten sie das „Colosseum“ an der Schildergasse, der erste feste Theaterbau der bis dahin herumreisenden Schauspielertruppe, deren Kern die Eltern und die sechs Kinder, darunter Peter, der Vater Willys, bildeten. Nach Wilhelms Tod wurde seine Ehefrau erfolgreiche Theaterdirektorin. Inzwischen war Peter Millowitsch zum Publikumsliebling avanciert und mit dessen am 8. Januar 1909 geborenem Sohn Willy stand auch schon die nächste Generation in den Startlöchern. Peter († 1945) und seine Frau Käthe († 1942) kauften 1914 ein Haus im damals ländlichen Lövenich – Willy Millowitsch lebte dort bis zu seinem Tode im Jahr 1999. 1923 spielte der Vierzehnjährige seine erste große Rolle in dem Schwank „Das goldene Kalb“. Doch die Inflation ruinierte auch das Colosseum-Theater, die Familie versuchte ihr Glück erneut als wandernde Schauspielertruppe. Dem langsam einsetzenden Aufschung setzte die Weltwirtschaftskrise 1929 ein Ende. Peter und Willy Millowitsch hielten die Familie mit kleinen Sketchen über Wasser, die sie im Kino zwischen Wochenschau und Hauptfilm aufführten. Am 16. Oktober 1936 endlich wurde an der Aachener Straße die „Heimatbühne Millowitsch“ als feste Spielstätte eröffnet. Den ersten großen Erfolg errang man mit dem „Etappenhas“. Mit Hilfe des alten Repertoires wie „Et fussig Julche“ umging man die der Bühne von den nationalsozialistischen Machthabern zugedachten Propagandaaufgaben. Trotzdem gehörte auch das Millowitsch-Theater zu den Fronttheatern: 1939 spielte man vor den Westwallarbeitern, andere Frontabschnitte folgten und in Abwesenheit seines dominanten Vaters wurde Willy der Star der Truppe. Der fehlten schließlich jedoch die Darsteller, die eingezogen worden waren. Im Herbst 1944 wurde der Theaterbetrieb eingestellt, doch im folgenden Jahr gelang es Willy und seiner älteren Schwester Lucy das Theater an der Aachener Straße bis Oktober 1945 wieder bespielbar zu machen und den Menschen damit neuen Lebensmut zu geben. Da die Einnahmen nicht reichten, wurden zusätzlich noch Kinofilme vorgeführt. Das Geld wurde dringend gebraucht, denn 1946 hatte er in 2. Ehe seine Frau Gerda geheiratet und 1947 wurde Willy erstmals Vater: Das finanzielle Überleben des Theaters sicherte Willy Millowitsch durch Engagements beim Rundfunk und seit März 1953 auch beim Fernsehen. Am 27. Oktober 1953 wurde „Dr Etappenhas“ als erstes Theaterstück der Millowitsch-Bühne live gesendet, damit begann Millowitschs Aufstieg zum Medienstar. Außer als Theaterleiter wurde er als Filmschauspieler und Sänger bekannt, auch im Karneval engagierte er sich. In den 1990er Jahren findet man ihn als Kommissar Klefisch in einer WDR-Krimiserie. Seine Heimatstadt dankte ihm tausendfach die Popularität, die die seinige ihr einbrachte, besonders mit einer Auszeichnung anlässlich seines 80. Geburtstages – im März 1989 wurde Willy Millowitsch die Ehrenbürgerwürde der Stadt Köln verliehen.

R. Wagner