Die Bastei

Bild der 48. Woche - 1. bis 7. Dezember 2008

Fridmar Damm Köln am Rhein – Restaurant Bastei und Rheinuferpromenade am Abend (um 1970) Photographie, 18 x 23,7 cm Kölnisches Stadtmuseum – Graphische Sammlung

Anders als oft angenommen ist die Bastei kein Teil der mittelalterlichen Festungsmauer. Sie ist der Rest der preußischen Befestigung am Sicherheitshafen, der dort lag, wo heute der Theodor-Heuss-Ring zu finden ist. Bei der Anlage der Neustadt nach 1880 wurde der Sicherheitshafen zugeschüttet, nur ein Teich erinnert noch an ihn. Von der Hafenanlage selbst blieb lediglich das Untergeschoss der Caponniere bestehen, die einst die Hafeneinfahrt sicherte. Auf diesen Stumpf setzte der Kölner Architekt Wilhelm Riphahn (1889–1963) in den Jahren 1923/24 seinen „Bastei“ genannten Restaurant-Bau. Riphahn hatte die Kölner Baugewerkeschule besucht und verschiedene Praktika, z. B. bei den Brüdern Taut und dem Dresdner Stadtbaurat Erlwein, absolviert, bevor er sich 1913 selbständig machte. Zunächst prägten zurückhaltende, neobarocke Formen seine Wohnbauten. Mit der „Bastei“ jedoch gelang ihm stilistisch und beruflich der Durchbruch. Riphahn etablierte sich als dezidierter Verfechter des Neuen Bauens und sein Ruf als Planer funktionalistisch bestimmter Großsiedlungen festigte sich. Für den Plan, auf der Caponniere „ein supermodernes Restaurant“ zu bauen, gewann Riphahn Adolf G. Worringer, den Direktor des Kölner Zoo-Restaurants. Zunächst war das Restaurantprojekt – wie in Köln nicht anders zu erwarten – in der Öffentlichkeit umstritten; man befürchtete vor allem eine Beeinträchtigung des Blicks zum Dom. Erst nachdem ein Modell im Maßstab 1:1 am vorgesehenen Standort errichtet worden war, beruhigte man sich. Durch Aushöhlung der meterdicken Mauern des Turms hatte Riphahn in drei Geschossen Platz für Weinkeller, Vorratsräume, Büros und Toiletten geschaffen, zudem für ein doppelläufiges Treppenhaus über kreisförmigem Grundriss. Radial angeordnete Stahlträger stützen die Restaurantplattform. Das Zentrum des Gastraums bildet eine auf Pfeilern ruhende zeltartige Gewölbestruktur, die außen als verschieferte Spitze sichtbar ist. Die Pfeilerstellung des Inneren war umgeben von einem halbkreisförmigen Sitzbereich, dieser wiederum von der Terrasse. Des starken Windes wegen musste die Terrasse relativ bald nach der Eröffnung geschlossen werden; Riphahn ließ die Glasbrüstung entfernen und durch prismatisch angeordnete Glasscheiben ersetzen. Im 2. Weltkrieg wurde auch die „Bastei“ stark beschädigt, aber der Architekt selbst plante 1958 den leicht veränderten Wiederaufbau. Lange Jahre war die „Bastei“, die am 5. Dezember 1958 wiedereröffnet wurde, eines der Kölner Vorzeigerestaurants. Auch das Verkehrsamt, aus dessen Archiv die hier gezeigte Photographie stammt, bediente gerne das Motiv. Mittlerweile ist sie geschlossen und kann für Veranstaltungen gemietet werden. Die „Bastei“ fand auch literarischen Niederschlag. In den späten 1920er Jahren hielt sich Joachim Ringelnatz (1883–1934) mehrfach in Köln auf. Schon 1928 hatte er die Bastei erwähnt: „Ich sitze – und niemand sonst ist dabei / Vor blinkenden Lichtern in der Bastei“ („Nach kurzer Fahrt getrennt“). Ein nächtlicher Besuch erbrachte ein 1932 veröffentlichtes Gedicht mit dem Titel „Köln von der Bastei aus gesehen“, das mit den Versen endet: „Ich wünsche: Es möchte sich die Bastei / Jetzt karussellartig drehen.“

R. Wagner