Bauernkate in Nuenen

Bild der 49. Woche - 8. bis 14. Dezember 2008

Vincent van Gogh Boerenhuis, Nuenen (Bauernkate in Nuenen), 1885 Öl auf Leinwand über Holz , 32 x46 cm Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Dep. 665

Vincent van Gogh wurde 1853 im holländischen Brabant als Sohn einer protestantischen Pastorenfamilie geboren. Zunächst arbeitete Vincent in den Filialen des Kunsthändlers Goupil in Den Haag, London und Paris. Er war 16 Jahre alt, als er im Kunsthandel begann und sollte dort fünf Jahre lang tätig sein. Goupil handelte mit zeitgenössischen französischen, englischen und niederländischen Werken. Vincent hatte hier die Gelegenheit die Gegenwartskunst kennenzulernen. Er nutzte seine Aufenthalte in den jeweiligen Großstädten, um die Museen zu besuchen. Aus London schrieb er seinem Bruder Theo: "Es ist hier eine schöne Ausstellung alter Kunst; u. a. eine große 'Kreuzabnahme' von Rembrandt, fünf große Figuren in der Dämmerung, Du kannst Dir denken, welch starke Empfindung; fünf Ruysdaels, ein Frans Hals, van Dyck, eine Landschaft mit Figuren von Rubens, eine Landschaft 'Herbstabend' von Tizian, zwei Bildnisse von Tintoretto und schöne alte englische Kunst, Reynolds, Romney und Old Crome, Landschaft, wunderbar schön." Nach einem kurzen Studium der Theologie ließ er sich in Amsterdam als Laienprediger ausbilden. Als freier Prediger und Krankenpfleger war er bei den Bergarbeitern der Borinage, der Region der Kohlenminen im Süden Belgiens tätig. Hier entstanden erste Zeichnungen. 1880, mit 27 Jahren, ließ sich van Gogh ganz auf seine Berufung als Maler ein. Er besuchte für wenige Monate die Brüsseler Akademie und zog 1882 nach Den Haag. Hierhin schrieb ihm sein Bruder Theo, dass der Vater eine neue Pfarrstelle in Nuenen in Brabant angetreten hatte. Vincent antwortete Theo: "Was Du mir über die Umgebung berichtest, interessiert mich in höchstem Maße. Furchtbar gern würde ich so ein altes Kirchlein und einen Friedhof mit Sandgräbern und alten Holzkreuzen zu machen versuchen." Und so reiste der junge Maler nach Nuenen und zog in das Pfarrhaus seiner Eltern. Hier entstand im Mai 1885 unser Gemälde der Bauernkate. Hier lebten und arbeiteten Bauern und Weber. Das strohgedeckte Dach ist weit heruntergezogen. Die Wände des Hauses bestehen aus unterschiedlichen Materialien. Die Front ist mit Ziegeln gemauert, die Seitenwand verputzt. Eine Bäuerin mit weißer Haube kehrt uns den Rücken zu. Sehr auffällig ist der Farbauftrag van Goghs. Teilweise liegt die Farbe in dicken Wülsten auf der Leinwand auf. Die Farbpalette wird von dunklen Brauntönen bestimmt. Mit diesen Mitteln, der dunklen Farbpalette und dem pastosen Pinselstrich, macht der Maler dem Betrachter die groben Materialien der Gegend - Stroh, Lehm, Holz und Erde - fühlbar. Ende April hatte Vincent seinem Bruder Theo geschrieben: "Das Bauernleben zu malen, ist eine ernste Sache, und ich würde mir Vorwürfe machen, wenn ich meine Bilder nicht so zu malen versuchte, daß sie bei Menschen, die ernst über Kunst und Leben denken, ernste Gedanken wecken. Millet, de Groux und viele andere haben Vorbilder an Charakterfestigkeit gegeben und an Gleichgültigkeit gegen Vorwürfe wie: schmutzig, grob, dreckig, stinkend usw., usw., so daß es eine Schande wäre, wollte man auch nur zweifeln. Nein, man muß die Bauern malen, indem man selbst einer von ihnen ist und fühlt und denkt wie sie, indem man nichts anderes sein kann als man ist." (Brief 404) Vincent selbst kommentiert in Arles seine Frühzeit mit einigem Abstand, indem er schrieb: "Großer Gott, wenn ich doch dieses Land mit fünfundzwanzig Jahren gekannt hätte, statt mit fünfunddreißig herzukommen! In jener Zeit war ich für Grau begeistert oder richtig für das Farblose, ich träumte immerfort von Millet…" (Brief B7). Vincent van Gogh starb nur zwei Jahre nach diesen Worten, im Jahre 1890, an den Folgen eines Revolverschusses, mit dem er sich das Leben nehmen wollte in Auvers-sur-Oise bei Paris.

E. Klother