"E jot Päd es Jold wät" 1)

Bild der 42. Woche - 20. bis 26. Oktober 2008

Rapphengst, wohl Friese, Köln 17. Jahrhundert ? Holz, dunkelbraun lasiert, Widerristhöhe: ca 140 cm, Länge: ca 150 cm, Gesamthöhe: ca 215 cm, Köln, Kölnisches Stadtmuseum, o. Inv.-Nr.

Eine der bekannteren Kölner Sagen ist die von Richmodis von Aducht, an die im Stadtbild zwei Pferdeköpfe erinnern, die aus dem (wieder aufgebauten) Treppenturm des vormals Hackeney’schen Hofes in der heutigen Richmodstraße schauen (s. Bilder 1, 2, 3). Die Geschichte ist schnell erzählt: die fromme Frau Richmodis lebte zehn Jahre in Liebe, Eintracht und Wohlstand zusammen mit ihrem Gatten Mengis, als sie 1357 durch die wieder mal in Köln grassierende Pestepidemie dahingerafft und bei St. Aposteln begraben wurde. Glücklicherweise wurde sie von gierigen Grabräubern, die sich ihren Schmuck aneignen wollten ausgegraben und erwies sich nur als scheintot. Mehr matt als munter machte sie sich auf den Weg zum nahen Heim und begehrte Einlass. Gesinde und Hausherr wähnten jedoch ihren Geist am Portal und Mengis sprach (laut anonymer Überlieferung): "Es ist so viel wahr, daß du mein ehelich Weib bist, als auch meine Rosse aus dem Stalle hinauf auf den Söller rennen und zum Fenster hinaussehen werden." In dieser und anderen Versionen wird davon ausgegangen, dass Ritter Mengis, ein Freund des Kaisers und wenn in Köln Festivitäten und Turniere stattfanden, Gastgeber hoher Herrschaften, nur zwei Pferde im Stall hatte. Sollten es nicht mehr gewesen sein? Andererseits wäre es in dem schlanken Treppenturm auch recht eng geworden, wären auch die anderen Falben, Braunen und Rappen hinauf getrappelt. Die sagenhaften Schimmelköpfe wurden jedenfalls 1958 durch Skulpturen des Bildhauers Wilhelm Müller-Maus erneuert, während ihre Vorgänger die Skulpturensammlung des Kölnischen Stadtmuseums bereichern. Ein anderes Pferd aus demselben Stall - ursprünglich soll es im Treppenhaus des Hackeney’schen Hofes gestanden haben - gibt Rätsel auf: Lebensgroß, fast schwarz und anhand seiner Behänge als Friese zu deuten, stellt sich die Frage, was hatte es dort zu suchen? Sicher ist der Rapphengst - ob seiner Größe und mangels Kufen - kein Schaukelpferd. Auch ist nicht anzunehmen, dass er als Trainingsgerät ungeübter Reiter diente. Eine Vermutung wäre, dass er mit reichverziertem Turnierharnisch, einer kostbar bestickten, mit dem Wappen der Aduchts versehenen Satteldecke und Helmzier mit Federschmuck ausgestattet, jedem Besucher gleich bei seiner Ankunft signalisierte, welch bedeutendes Haus er oder sie betrat. Eine andere Möglichkeit wäre, dass er mit kriegstauglichen Rossharnisch ausgestattet war und die allgegenwärtige Verteidigungsbereitschaft des edlen Ritters bekundete. Denkbar wäre auch die zugegeben recht profane Erklärung, dass es als 'Stummer Diener' oder Mannequin diente, damit das ganze Metall nicht andernorts im Wege stand. Persönlich ziehe ich den Gedanken vor, dass Bukephalos (355-326 v. Chr.), Hatatitla (1894-?), Fury (1950er - 1960er) oder wie er heißen mag, einfach als Antiquität das Foyer verschönte, so wie sich heute Leute einen Elefanten ins Regal stellen, ohne je auf einem geritten zu sein. 1) Sprichwörtliche Redensart zitiert nach Adam Wrede - Kölnischer Sprachschatz, Bd. 2, Köln 1958, S. 275.

B. Alexander