Through Masters‘ Eyes (Teil 1)

Bild der 23. Woche - 6. bis 12. Juni 2005

Shitao (1642-1701, China), Landschaft, Aus einem achtteiligen Album, 34 x 26,7 cm, Tusche und Farben auf Papier, datiert 1694, © Los Angeles County Museum of Art
Arnold Chang (Zhang Hong, geb. 1954, USA), Tusche auf Papier, 34 x 26,7 cm, 2004
Sergio Teran (geb. 1974, USA), Öl und Acryl auf Papier, 34 x 26,7 cm, 2004
Cristian Alexa (geb. 1968, Rumänien/USA), Collage, 34 x 26,7 cm, 2004
Jason Varone (geb. 1976, USA), Digitaler Druck auf Papier, 34 x 26,7 cm, 2004
Su-Mei Tse (geb. 1973, Luxemburg), Prägedruck, 34 x 26,7 cm, 2004
Shahzia Sikander (geb. 1969, Pakistan/USA), Graphit auf Papier, 34 x 26,7 cm, 2004

Als die Ausstellung „Den Himmel in der Pinselspitze: Chinesische Malerei des 20.Jahrhunderts" am 30. April 2005 im Museum für Ostasiatische Kunst eröffnet wurde, war ein vorgesehenes Werk noch nicht zu sehen: Lee Mingweis über 5 m langes Leporelloalbum „Through Masters Eyes". Im Rahmen der Terrorbekämpfung war es auf seinem Wege von New York nach Köln durch unerwartete Kontrollen aufgehalten worden. Nun ist es im Museum zu sehen. Der heute in New York lebende Lee Mingwei (geb. 1964 auf Taiwan) hatte fünf Künstler aus Taiwan und sechs Künstler aus dem Westen an seinem Projekt „Through Masters Eyes“ beteiligt. Auf der Grundlage dieses Landschaftbildes des berühmten Malers Shitao (1641-1710) aus dem Los Angeles County Museum of Art (LACMA) startete Lee eines seiner Experimente zur Interaktion zwischen Menschen und Kunst, für die er international bereits bekannt geworden ist. Lees Projekt vollzog sich über eine ganze Zeitspanne, wobei die von ihm gewählten Künstler aus Taiwan und aus dem Westen jeweils zeitgleich arbeiteten. Der erste Künstler jeder Gruppe erhielt eine gute Farbkopie des Shitao Albumblatts als Arbeitsvorlage. Die darauf folgenden Künstler erhielten das Werk des jeweils unmittelbar vorangegangenen Künstlers ihrer Gruppe. Der Vorgang wurde vier bzw. fünf Mal wiederholt. Jeder Künstler bekam eine Woche Zeit, seine Beitrag am Projekt zu leisten. Lees Projekt thematisiert und kommentiert auf einzigartige Weise die gerade für die chinesische Malerei so grundsätzliche Fragen wie, wann ist die Kopie eines Kunstwerks nicht nur eine Kopie, sondern schon selbst ein eigenes Stück Kunstwerk? Und wann ist Kopieren nicht nur eine bloße Imitationsübung, sondern ein eigener Kreationsprozeß? Es wurde zu einem Experiment, das nicht nur die vergangene mit der gegenwärtigen, sondern auch die fernöstliche mit der westlichen Kunst zu vereinen versucht - begrenzt allerdings auf die Orte Taiwan und New York als Stellvertreter der jeweiligen Richtung. Das Ergebnis – wir zeigen heute die Gruppe der "Westlichen Werke" (s. Abbildungen rechts) - zeigt eine Vielfalt von Möglichkeiten, wie ein Original aus dem 17. Jahrhundert „kopiert“ und kreativ umgesetzt werden kann. Die beiden ersten Künstler hatten es als Wegbereiter ihrer Nachfolger am schwersten. Chang, als der erste der westlichen Gruppe, verwendete einen großen Teil seiner Arbeitswoche auf die Vorüberlegungen. Er sagte sich, dass eine genaue Kopie nie so gut werden würde wie das Original. Das wäre also sinnlos. Statt dessen versuchte er seine eigenen Ideen und seinem eigenen Stil miteinzubeziehen – dennoch unter Berücksichtigung der traditionellen chinesischen Malerei. Die darauffolgenden Künstler nahmen sich weitere Freiheiten. So verwendeten sie Öl, Graphit bis hin zu Collagen und setzten Videos ein, um ihre Version einer von Shitao inspirierten Arbeit zu verwirklichen.

B. Clever