Das Ende des Mittelalters in Köln
Bartholomäus Bruyn starb vor 450 Jahren

Bild der 16. Woche - 18. bis 24. April 2005

Köln, 1539, nach Friedrich Hagenauer, Porträtmedaille des Bartholomäus Bruyn, Silber, Dm: 48 mm, Umlaufende Inschrift: BARTHOLOMEVS BRVYN PICTOR COLONIENSIS ANNO AETATIS XLVI, Köln, Kölnisches Stadtmuseum, Inv.-Nr. D 274

Mit Bartholomäus Bruyn endete in der Kölner Kunstgeschichte das Mittelalter. Schon zu Lebzeiten war der Künstler so bekannt, dass er auf einer Medaille lebensecht porträtiert wurde. Den Straßburger Bildschnitzer Friedrich Hagenauer (um 1500–1546) hatte seine Reise in die Niederlande 1536 auch nach Köln geführt. Bei dieser Gelegenheit porträtierte er Barthomomäus Bruyn. Nach Hagenauers Holzmodell wurde später die Medaille gefertigt. Der 1493 vermutlich in Wesel geborene Bruyn kam in jungen Jahren nach Köln, wo er bald ein hoch geschätzter Künstler wurde. Bruyn hatte bei dem ebenfalls aus Wesel stammenden Jan Joest ( gest. 1519 in Haarlem) gelernt, als Joos van Cleve (1480/85–1540) dort Geselle war. Bruyn heiratete später die Tochter seines Lehrers, Agnes. Das Paar hatte fünf Kinder. Mit seinem Lehrer arbeitete er in Wesel, Kalkar und Werden, ab 1512 kann von einer Mitarbeit in der Werkstatt des Meisters von St. Severin in Köln ausgegangen werden. Erstmals nachgewiesen ist er in Köln 1515, als ihn der Rechtsgelehrte Dr. Petrus von Clapis und dessen Ehefrau mit einer „Marienkrönung“ beauftragten. Schon drei Jahre später wurde Bruyn, der mittlerweile in das Schildereramt aufgenommen worden war, erstmals in den Rat der 44er gewählt, ein den Kölner Stadtrat beratendes Gremium. 1549 wurde der mittlerweile zu Wohlstand gelangte Bartholomäus Bruyn selbst Mitglied des Kölner Magistrats. Aber Bruyn arbeitete nicht nur für Kölner Auftraggeber. Sein erster größerer Auftrag war 1522–1525 ein Altargemälde für das Essener Damenstift. 1529–1534 folgte der bedeutsame Auftrag für die Flügel des Hochaltars der Stiftskirche St. Viktor in Xanten. Kurz vor Fertigstellung der Arbeiten fügte Bruyn vor Ort die für seine Porträt-Entwicklung entscheidenden Stifterbildnisse ein, einschließlich eines Selbstbildnisses und Bildnissen von Ehefrau und ältestem Sohn. Für Köln ist ab 1547 der Bilderzyklus für den Kreuzgang des Karmeliterklosters zu erwähnen. Sein Spätwerk ist geprägt durch Altargemälde für Kölner Kirchen wie den kurz vor seinem Tod entstandenen Kreuzigungsaltar in St. Andreas. Der Xantener Altar war ein Wendepunkt, der eine neue Werkphase einleitete. Bruyn vertiefte seine Kenntnisse der italienischen Renaissance-Malerei und verarbeitete verstärkt druckgraphische Blätter aus Italien. In Köln unterhielt er eine große Werkstatt, um die steigende Zahl der Aufträge bewältigen zu können. Hier arbeiteten ab 1547 auch seine beiden älteren Söhne Arnt und Bartholomäus der Jüngere mit. Bruyn wurde zum Porträtisten des 16. Jahrhunderts, der Köln zu einem wichtigen Zentrum der bürgerlichen Bildnismalerei machte. Durch ihn wurde das autonome bürgerliche Bildnis populär. Mehrfach porträtierte er auch Kölner Bürgermeister in ihrer Mi-Parti-Amtstracht. Hermann Weinsberg vermeldete in seinem Tagebuch mehrere Porträt-Aufträge der Familie Weinsberg für Bruyn d. Ä. Typisch für seine Porträts sind nicht nur die naturgetreue Wiedergabe, die treffsichere Charakterisierung der Porträtierten, er wählte auch gerne einen geschweiften Abschluss für seine Bildnisse. Bruyn starb am 22. April 1555 – also vor 450 Jahren – an der Pest. Er erlitt damit das gleiche Schicksal wie sein berühmter Vorgänger Stefan Lochner, der zudem im gleichen Haus gewohnt und gearbeitet hatte.

R. Wagner