kostbare Leichtigkeit

Bild der 5. Woche - 31. Januar bis 6. Februar 2005

Eugène Feuillâtre, Brosche, um 1906, Gold, Fensteremail, Émail en ronde bosse, Brillanten, Turmaline, Museum für Angewandte Kunst, Köln, InvNr.: G 428 a, b
Detail aus: Eugène Feuillâtre, Brosche, um 1906, Gold, Fensteremail, Émail en ronde bosse, Brillanten, Turmaline, Museum für Angewandte Kunst, Köln, InvNr.: G 428 a, b

Die Darstellung diese Brosche von Eugène Feuillâtre wird erst bei näherer Betrachtung offensichtlich: Man sieht zwei gegenüberstehende Schmetterlinge im Profil, auf deren hochgestellten, großen, schlanken Flügeln besondere Betonung liegt. Ihre kleinen Körper berühren sich nur an den Fühlern und an den spitzen Leibenden. Sie biegen sich sichelförmig um einen grünen, chatongefassten Turmalin, der fast frei, nur von ihren zierlichen Füßen gehalten in ihrer Mitte zu schweben scheint bzw. auf dem sie, wie auf einer Blütennabe, zu sitzen scheinen. Ihre gebogenen Leiber bilden dabei eine offene Herzform, deren Zentrum der Turmalin ist. Zarte Goldstege formen die Kontur der Flügel und die netzartige Äderung, deren Öffnungen mit Fensteremail gefüllt sind, das von hellem Opakweiß bis zu dunklem Schwarzgrün changiert. Fensteremail war zur Zeit des Jugendstils sehr beliebt und eignete sich wegen seiner Transparenz besonders für die Darstellung von Insektenflügeln und die Nachahmung deren schillernder Leichtigkeit und Zerbrechlichkeit. Feuillâtre benutzte darüber hinaus ein besonderes Email mit eingestreuten Silberplättchen, was den Schillereffekt erhöhte. An den Flügelspitzen der Schmetterlinge befindet sich je ein tropfenartiges Pfauenauge aus grün-weißem Email. Des Weiteren zieren kleine Brillantrosen die oberen Flügelrücken. An den zur Spitze verbundenen Leibenden der Schmetterlinge ist ein tropfenförmiger dunkelgrüner Turmalin mit Krappenfassung eingehängt, der zusätzlich von einem kleinen Brillanten bekrönt wird. Betrachtet man die Brosche aus der Entfernung, so wirken die zwei einzelnen Schmetterlinge wie die Flügel eines einzigen Falters, dessen Körper der Mittelturmalin bildet. Diese Fähigkeit zur Täuschung anderer Lebewesen ist ein Charakteristikum der Schmetterlinge bzw. der Insektenwelt im Allgemeinen. Darüber hinaus ist den schönen Faltern ein nur kurzes Leben beschieden, was sie zu Sinnbildern für die Vergänglichkeit macht. Ihrer Metamorphose wegen werden sie aber auch als Symbol für die Unsterblichkeit gesehen, insbesondere für die Unsterblichkeit der Seele. Eugène Feuillâtre (1870 – 1916) war ein französischer Bildhauer und Emailleur. Er lernte das Handwerk des Emaillierens bei Etienne Tourrette und war danach mehrere Jahre Chef des Emailateliers von René Lalique. Er eröffnete sein eigenes Atelier 1898, arbeitete aber weiterhin für Lalique. Er nahm mit handwerklichen Objekten und Emailschmuck an mehreren Ausstellungen teil, unter anderem auch an der Weltausstellung 1900 in Paris. Er fertigte Schmuck aus Gold und Fensteremail, dekoriert mit weiblichen Figuren und Schmetterlingen, sowie Ketten und Armbänder in floralem Dessin. Diese besonders schöne und grazile Brosche gehört zur Sammlung des Kölner Museums für Angewandte Kunst.

J. Reifenrath