Das Bad am Brunnen

Bild der 7. Woche - 14. bis 20. Februar 2005

Paris Bordone - Bathseba im Bade, um 1550/55, Öl auf Leinwand, 234 x 217 cm; Wallraf-Richartz-Museum, Köln, WRM 517

Neben Tizian und Tintoretto, Veronese, Palma Vecchio und Palma Giovane zählt der Maler Paris Bordone (Treviso 1500-1571 Venedig) zu den wichtigsten Meistern der venezianischen Malerei der Spätrenaissance und des Manierismus. Kunstvolle Posituren, virtuose Kompositionen und ein changierendes kraftvolles Kolorit zeichnen so auch das Kölner Bild von ca. 1550/55 aus. In zwei getrennten Bildschichten verbindet sich die Vordergrundszene mit der alttestamentarischen Geschichte der Bathseba und ihrer Dienerinnen am Brunnen vor einem ausschnitthaft wiedergegebenen Zitronenstrauch mit einer römisch antik gehaltenen Stadt als Bühnenprospekt für den Mittel- und Hintergrund. Die Demonstration der Perspektive verbindet sich dabei mit einer Palastarchitektur, die der "Scena tragica" aus Sebastiano Serlios wenig zuvor erschienenem berühmtem Architekturtraktat entnommen wurde. Sie liefert damit das Decorum für die eigentliche Geschichte: König David beobachtet von einem Fenster aus die Badeszene. Er begehrte Bathseba in ihrer Schönheit zum Weibe und befahl bekanntlich ihren Gemahl, den Feldhauptmann Urias, an die vorderste Front, damit er dort fiele - eine tragische Szene voll biblischer Moral. Im nicht eben umfangreichen Werk des Malers zählt dieses Bild zu den bekanntesten und schönsten aus einer Schaffensperiode, die sich durch große Figuren, volumige Gewandbehandlung und ausgeprägten Kontur auszeichnet.

E. Mai