Am Ostermorgen
Die älteste Darstellung der Auferstehung Christi im Schnütgen-Museum, Köln.

Bild der 11. Woche - 28. März bis 3. April 2005

Der Engel verkündet den Frauen am Grab die Auferstehung Christi, Szene aus dem Harrach-Diptychon, um 800, Elfenbein geschnitzt Schnütgen-Museum, Köln, Sammlung Ludwig
Harrach-Diptychon der Sammlung Ludwig
Cornelis Schut - (Antwerpen 1597 - 1655 Antwerpen), Auferstehung Christi, vor 1628, Öl auf Leinwand, 79,5 x 57,3 cm, Wallraf-Richartz-Museum, Köln, WRM 2344

Zu beiden Seiten der Mittelsäule herrscht in diesem Bild die Symmetrie der Gegenüberstellungen, auf jeder Seite ein schlafender Wächter, über dem Engel der aufragende Grabbau, über den Frauen die Baumkrone. Die Zwillingsgestalt der Frauen wirkt durch viele gerade Linien ruhig und in die Fläche zurückgenommen, dem erstaunten Stillstehen entspricht eine geringere Plastizität. Dagegen wirkt die kräftige Gestalt des Engels durch die Geste des Verkündens und Erklärens, durch die seitliche Drehung und die Bewegung des Gewandes unruhiger und voluminöser. Er ist fast zu groß für das Bildfeld. Die Schwere des gemauerten Sarkophags, das Dach des Grabbaus engen ihn nicht ein. Er ist voller Energie, die sich über den Raum, über die Teilung des Bildes hinweg mitteilt. Es ist eine Energie, die auch von den rahmenden Säulen und parallel gerichteten Flügeln nicht eingebunden werden kann. Am Ende der Bilderzählung des Harrach-Diptychons steht die intensive Übermittlung einer Botschaft: Die Frauen erfahren durch den Engel von der Auferstehung Jesu am dritten Tage nach seinem Tod am Kreuz. Diese Kunde bedeutet seitdem für die Christen die sichere Hoffnung auf ein Weiterleben nach ihrem eigenen Tod. Die Szene ist Teil des sogenannten Harrach-Diptychon der Sammlung Ludwig (kleines Bild), eines der schönsten Elfenbeinreliefs aus der Hofschule Karls des Großen. Es ist um 800 geschnitzt worden und schmückte ursprünglich den Vorder- und Rückdeckel eines Evangelienbuches. Unter den schreibenden Figuren der vier Evangelisten mit ihren Symbolen erscheinen vier Hauptbilder der christlichen Heilsgeschichte. Die beiden schmalen Elfenbeintafeln haben drei fast quadratische Zonen, die Oberen und Unteren sind durch eine Doppelarkade geteilt, die Mittlere wird von einer großen Bogenstellung überfangen. Durch eine spätere Rahmung ist die richtige Reihenfolge der Tafeln verkehrt. Als erstes sollte man oben Mathäus und Markus mit ihren Symbolen Engel und Löwe erblicken und darunter die Verkündigung des Engels Gabriel an Maria, daß sie den Messias gebären solle. Danach sollten erst die beiden anderen Evangelisten, Lukas und Johannes mit Stier und Adler, und unter ihnen die Geburt Jesu zu Bethlehem folgen. Ganz unten sollte der Doppelbogen, in dem das Kreuz Christi die Mittelstütze verdeckt, folgerichtig vor dem Osterbild angesehen werden. Die Frauen, die mit ihren Weihrauchfässern vor dem leeren Grab des auferstandenen Jesus einem Engel begegnen, bilden also das Ende der Geschichte.

H. Westermann-Angerhausen