Stadionjubel seit 80 Jahren

Bild der 37. Woche - 15. bis 22. September 2003

Urkunde der Vaterländischen Festspiele zu Köln 1927 (Ausschnitt) Papier; 33,4 x 24,1 cm Kölnisches Stadtmuseum - Graphische Sammlung G 16240,2

Auch unscheinbare Objekte in Museen sind oft mit einem Abschnitt der Geschichte verbunden, zu dem sich bei näherem Hinsehen immer interessantere Verbindungen finden lassen. So befindet sich in der Graphischen Sammlung des Kölnischen Stadtmuseums diese hier im Ausschnitt gezeigte Urkunde des Günter Rodenkirchen. Er errang bei den Vaterländischen Festspielen 1927 den 2. Preis im „Dreikampf der Unterstufen“. Dies war sicherlich ein besonderes Ereignis im Leben dieses jungen Sportlers. Es wird sicherlich auch ein besonders eindrucksvoller Tag gewesen sein, weil der Wettkampf an einem Ort stattfand, der - wenige Jahre zuvor eröffnet - zum Glanzpunkt der Stadt Köln geworden war und eine beeindruckende Kulisse darstellte: Das neue Stadion in Müngersdorf. Dieses erste „Müngersdorfer Stadion“ entstand als eine vielgliedrige Gesamtanlage mit einer Hauptkampfbahn – sie ist auf dieser Urkunde abgebildet – und zahlreichen Sportstätten für den Breiten- und Spitzensport: Neben einer Radrennbahn, die 20 000 Zuschauern Platz bot, einem Freibad, Tennis- und Reitplätzen standen den Vereins- und Freizeitsportlern Kampfbahnen für Fußball, Leicht- und Schwerathletik sowie für Hockey- und Schlagballspiele zur Verfügung. Mit einer Fläche von 65 Hektar war es zu der Zeit das größte Sportgelände Deutschlands. Diese Woche vor 80 Jahren, am 16. September 1923, wurde der Sportpark in Köln-Müngersdorf nach vierjähriger Planungs- und Bauzeit in einem Festakt der Öffentlichkeit übergeben. Viele Kölner und Kölnerinnen lockte das große Ereignis, bei dem der Oberbürgermeister Konrad Adenauer eine feierliche Eröffnungsrede hielt, auf die Tribünen der Hauptkampfbahn, die 60.000 Zuschauer faßte. Konrad Adenauer war denn auch einer der Mitinitiatoren des Stadionkomplexes. Er sah im Bau des Stadions wie in der Anlage des gesamten äußeren Grüngürtels die Chance „einer produktiven Erwerbslosenfürsorge“ in der wirtschaftlich schwierigen Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. 15.000 Erwerbslose sollten mit den Erdarbeiten Beschäftigung finden. Obwohl die ursprüngliche Idee zum Bau des riesigen Stadionkomplexes nicht allein auf Konrad Adenauer zurück zu führen ist, blieb doch die Anlage immer mit seiner Person verbunden. Das Stadiongelände wurde im Sinne einer ‚gestalteten Natur‘ entworfen, es sollte den Großstadtbewohnern neben Sportanlagen auch ausreichende Vergnügungs- und Erholungsmöglichkeiten bieten. Außerdem versprach man sich durch die Errichtung des Stadions einen immensen Werbeeffekt, weil die anreisenden Besucher mit ihrer Kaufkraft den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt begünstigen sollten. Die Rechnung ging auf: Der Vorort Müngersdorf wurde bekannt und gewann weltweiten Ruf, denn in den folgenden Jahren wurden hier zahlreiche internationale und nationale Sportwettkämpfe – darunter im Juli 1927 die Radweltmeisterschaften, das Deutsche Turnfest im Jahr 1928 und diverse Länderspiele der Fußballnationalmannschaft – ausgetragen. In der Weimarer Zeit hatte keine andere deutsche Stadt so viele sportliche Großereignisse wie Köln aufzuweisen. Das erste „Müngersdorfer Stadion“ musste in den 1970er Jahren einem Neubau weichen: Im Oktober 1975 wurde die neue Hauptkampfbahn in Betrieb genommen. Diese wiederum wurde ab 2002 Stück für Stück abgetragen und wird z. Z. durch einen Neubau, der nur noch ein Fußballstadion beherbergt, ersetzt. Eine ausführliche Stadiongeschichte und eine Luftaufnahme von 1928 und 1975 finden Sie unter: http://www.koelnersportstaetten.de/index.php?folder=die_sportstaetten&u_folder=rheinenergiestadion&site=historische_bilder

I. BeckerR. Wagner