Lovis Corinth en détail... (4)

Bild der 21. Woche - 26. Mai bis 2. Juni 2003

Lovis Corinth links: Selbstporträt vor der Staffelei, 1922, Öl auf Pappel, 84 x 68 cm, Saarbrücken, Saarland Museum rechts: Selbstbildnis, 1925, Öl auf Leinwand, 80,5 x 60,5 cm, Zürich, Kunsthaus Zürich
Lovis, Corinth Selbstbildnis, 1918, Öl auf Leinwand, 105 x 80 cm, Wallraf-Richartz-Museum – Fondation Corboud, WRM 2368

Die alljährlich zur Zeit seines Geburtstages gemalten Selbstbildnisse Lovis Corinths verweisen den Betrachter immer wieder auf Ereignisse seines Lebens. In drei Bildern der Woche (siehe Linkliste oben rechts) war dies Thema der Darstellung. Schlaglichter fielen so auf seine kraftvolle Zeit in München, auf die eigenen hohen Erwartungen in Berlin und auf die Verarbeitung des ersten Schlaganfalls im Dezember des Jahres 1911. Im Jahre 1918, nach der Zeit der durch die Erkrankung erzwungenen Untätigkeit und nach mehreren Selbstbildnissen, in denen er die inneren Not verarbeitet, malt Lovis Corinth das Porträt zu seinem 60. Geburtstag, das sich heute im Wallraf-Richartz-Museum befindet (kleines Bild rechts). Man erkennt hier nicht den „kraftstrotzenden“ Münchner Corinth (Porträt von 1896), es ist auch nicht der heroische der Berliner Zeit (Porträt von 1911), es ist auch nicht der geschlagene oder der trotzige Maler in der Zeit der überstandenen Erkrankung (Porträts von 1912 und 1914). Es ist der aufmerksam beobachtende, ruhige Maler. Die Farben sind dunkler, weniger kontrastierend als in den Jahren zuvor. Im gleichen Jahr, 1918, erleidet Corinth einen zweiten Schlaganfall. Wie stark sich dieser Rückschlag in seinem Leben niederschlägt, ist wiederum an seinen Selbstbildnissen ablesbar. Erneut verändert sich seine Malweise. In seinem im Jahr 1922, also vier Jahre später gemalten Selbstporträt (oben links) verwischen die Konturen seines Gesichts. Die dick aufgetragenen Farben fließen ineinander. Der Maler „sitzt“ vor der Staffelei, der klare Blick von 1918 ist verschwunden. Die Persönlichkeit verschwimmt zur Schemenhaftigkeit, wenn auch als markante Merkmale die abstehende Augenbraue und der Schnurrbart deutlich ablesbar bleiben. Das letzte „Geburtstagsbild“ malte Lovis Corinth im Mai 1925 (oben rechts). Auch hier sind die Konturen weniger hart, die Farben ähnlich dem Bild von 1925. Nun hat das Werk jedoch wieder einen „Blick“. Doch dieser ist weniger stechend als im Kölner Bild von 1918 (kleines Bild). Es ist ein fragender, zurückhaltender Blick. War im Bild von 1918 der Eindruck, daß der Maler direkt in den Spiegel schaut, noch sehr stark, so wendet sich hier Corinth von dem im Bild dargestellten Spiegel ab, so, als benötige er ihn nicht mehr, um sein Bild zu malen. Anfang des Jahres 1925 reist Corinth nach Amsterdam, um dort noch einmal die Meisterwerke von Rembrandt und Franz Hals zu sehen. Obwohl er zunächst nicht geplant hatte, dort zu malen, beginnt er begeistert von den Motiven der Stadt mit intensiver Arbeit. Anfang Juni erkrankt er an einer Lungenentzündung. Der Arzt empfiehlt eine Luftveränderung. So reist Corinth in das Seebad Zandvoort. Dort stirbt er am 17. Juli 1925 im Kreise seiner Familie. Die Trauerfeier für Lovis Corinth findet am 21. Juli, dem 67. Geburtstag des Malers statt. Sein letztes Geburtstagsbild (oben rechts) hatte er in diesem Jahr erstmalig bereits im Mai gemalt

T. Nagel