Die Schrecken des Krieges (Los Desastres de la Guerra)

Bild der 6. Woche - 10. bis 17. Februar 2003

Francisco Goya: "Con razon ó sin ella" (Mit Recht oder zu Unrecht), aus den "Desastres de la Guerra" 1810-12, Radierung, Lavis, Kaltnadel, Grabstichel und Polierstab Wallraf-Richartz-Museum - Fondation Corboud, Graphische Sammlung, Inv.-Nr. 25541, 14.0 x 19.7 cm (Motiv)

Mit Recht oder zu Unrecht (Con razon ó sin ella) Es heißt, Goya habe, von einem Diener gefragt, warum er "diese Barbareien der Menschen" darstelle, geantwortet: "Um die Menschen für ewig zu mahnen, nie mehr Barbaren zu sein." Wenngleich der Einmarsch napoleonischer Truppen nach Spanien Auslöser für die Graphikfolge der "Desastres" war, so prangerte Goya doch vielmehr den allseitigen Verlust jeder Menschlichkeit an. Die Foge der napoleonischen Aggression war ein von beiden Seiten mit aller Härte und Grausamkeit geführter Krieg. Wie in jedem Krieg wurde auch hier der Hass universell, weshalb das abgründige Bild, das Goya von der menschlichen Natur zeichnet, angesichts nicht enden wollender Kriege mittlerweile universelle Bedeutung erlangt haben dürfte: wohl der entscheidende Grund für die nicht nachlassende Aufmerksamkeit für die Desastres. Die ersten Arbeiten Francisco Goyas (1746 - 1828) an den Desastres sind für 1810 nachgewiesen. Später ergänzte er die Folge um Darstellungen der Hungersnot von 1811/12 und politische und gesellschaftliche Themen der Restaurationszeit. Aus der thematischen Vielfalt ergab sich jetzt ein mehrteiliges und uneinheitliches Gesamtbild. Aus korrigierten Numerierungen geht hervor, daß Goya die Reihenfolge und somit die Gesamtkomposition der Desastres mehrfach verändert hat. War er der Uneinheitlichkeit des Gesamtbildes bewußt? Vielleicht war dies einer der Gründe, warum die Desastres nicht mehr zu seinen Lebzeiten, sondern erst 1863 in einer offizielle Auflage erschienen. Weitere Auflagen der mittlerweile verstählten Platten folgten bis weit ins 20. Jahrhundert.

O. MextorfT. Nagel