Aus reichem Grabe

Bild der 53. Woche - 30. Dezember 2002 bis 6. Januar 2003

Bronzebecken, Frühbyzantinisch, 6.-7. Jhr., Bronze, Höhe 8,8 cm, Durchmesser 27,7 cm, Römisch-Germanisches-Museum, Köln

Das Römisch-Germanische Museum in Köln besitzt aus der Sammlung des Freiherrn Johannes von Diergardt (1859-1934) dieses frühbyzantinische, kalottenförmige Bronzebecken mit zwei beweglichen Henkeln. Etwa 80 vergleichbare Gefäße des frühen Mittelalters haben sich erhalten und stammen fast alle aus Gräbern begüteter Angelsachsen, Franken, Alemannen, Bajuwaren oder Langobarden. Mit dem späten 7. und frühen 8. Jahrhundert endet diese Beigabensitte. Die Fundumstände unseres Gefäßes sind nicht überliefert, wahrscheinlich stammt es jedoch aus einem Grab eines reichen Germanen. Dabei könnte es in Anlehnung an die von den Römern übernommene Tischsitte als Schale zur Handwaschung dem Verstorbenen beigegeben worden sein. Die Herstellung derartiger Gefäße erfolgte durch das sogenannte Wachsausschmelzverfahren. Kurzgefaßt bedeutet dies, daß eine Wachsform des zu gießenden Gegenstandes in Ton eingebettet wird. Wenn dieser hart geworden ist, wird die gesamte Form gebrannt. Hierdurch fließt der Wachs aus und hinterläßt im Ton eine Hohlform, welche dann zum Bronzeguß genutzt wird. Um das fertige Bronzegefäß herausholen zu können, muß die Form anschließend zerschlagen werden. Das jeweilige Gefäß ist also ein Unikat und kein Serienprodukt. Nach dem Guß folgt neben dem Entfernen der Gußstege (Fließkanäle für den Guß) noch eine manuelle Bearbeitung des Produktes. Zur Produktion bronzener Gefäße mit der geschilderten, schriftlich überlieferten Methode war nicht nur eine gut arbeitende Werkstatt notwendig, sondern auch entsprechende Metallvorkommen, besonders Kupfer. Ein gezielter Abbau von Kupfererz ist nur innerhalb der Grenzen des oströmisch-byzantinischen Reiches anzunehmen. Herstellungsort könnte daher Italien oder die Küstenstädte des östlichen Mittelmeeres sein. Per Schiff gelangten diese Waren dann zu ihren reichen Käufern jenseits der Alpen.

T. Nagel