Albrecht Dürer - Anbetung der Könige

Bild der 1. Woche - 6. bis 13. Januar 2003

Albrecht Dürer „Anbetung der Könige“, 1511, Holzschnitt, 29.1 x 19.9 cm, Inv.-Nr. 1193, Graphische Sammlung Wallraf-Richartz-Museum – Fondation Corboud

Vorsichtig gehalten von seiner Mutter greift das kleine Kind mit weit ausladender Geste und leicht versonnenem Blick in ein geöffnetes Kästchen, präsentiert von einem alten bärtigen Mann, der vor dem Kind niedergekniet ist. Umringt von weiteren würdigen Gestalten und gerahmt von einer malerischen Ruinenarchitektur läßt sich diese Szene sofort als Anbetung der Könige identifizieren. „Als Jesus in Bethlehem in Judäa geboren war, zur Zeit des König Herodes, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben den Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, um ihn anzubeten.“ (Matthäus 2, 1+2) „Und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, fielen nieder, beteten es an, taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen.“ (Matthäus 2, 11) Einer alten Tradition folgend, hält Dürer genau diesen Augenblick in seinem Holzschnitt aus dem Jahr 1511 fest. Sein Monogramm ist rechts unten, die Datierung links am Sockel des Stützbalkens zu lesen. Dürer hat sich wiederholt mit der Anbetung auseinandergesetzt, was nicht nur sein persönliches Interesse, sondern auch die allgemeine Popularität des Themas belegt, denn die Heiligen Drei Könige waren fest im Volksglauben verwurzelt. Für Köln spielen die Heiligen Drei Könige natürlich eine besondere Rolle, denn um 1160 wurden ihre Gebeine auf Veranlassung des Reichskanzlers und Kölner Erzbischofs Rainald von Dassel in den Kölner Dom verbracht. Im Mittelalter gehörte eine Wallfahrt zu diesen Reliquien zu den vier wichtigsten mittelalterlichen Pilgerreisen. Und auch heute noch wird am 6. Januar, der auch der Festtag der Erscheinung des Herrn (Epiphanias) ist, vor dem Dreikönigsschrein aus der Werkstatt des Nikolaus von Verdun (um 1200) feierlich die Verehrung der drei Weisen aus dem Morgenland begangen.

O. Mextorf