Von der Promenade bis zum Ball

Bild der 46. Woche - 11. bis 18. November 2002

Von links nach rechts: Mit Popö: Kleid aus schim-merndem, festem, violettem Seidentaft und gelben Streifen, mit Schleppe, mit sehr eng geschnürter Taille sowie mit dem nach unten abgeschrägten Cul (Gesäßaufbau - Prachtpopö). Um 1869/70 für die vor-nehme und daher modebewußte englische Dame. Transparent: Schwarzer Seidenchiffon mit schwarzen Federn des Marabu, Unterkleid: Goldlamé. Eine Creatión des Pariser Star-Modeschöpfers Paul Poiret. Für die begüterte Französin um 1924, ein Kleid "zum Tee nach 5 Uhr". (Nachmittagskleider hatte im Gegensatz zu Abendkleidern Ärmel). Hautnah: Weißlicher Seidenchiffon, blau und grün bedruckt, mit ausgeschnittenen Blüten an Schulter und Saum dekoriert. Der an der Taille nahtlose Stoff umschmeichelt die Trägerin hautnah. Um 1932, für die schlanke Engländerin ohne Corsage. Eleganz pur: Birkenweißer Seidenatlas mit hellblauen Samtbändern und violetter Rose, kleine ange-schnittene Schleppe. Nach Pariser Chic für den großen Ball im Hamburg des Jahres 1957. Seltene Eleganz in der Zeit der Cocktailkleider.

Diese Kleider aus der umfangreichen Sammlung des Kölner Museums für Angewandte Kunst sind Zeugnisse besonderer gesellschaftlicher Stellung. Ihre Besitzerinnen stammen sicher nicht aus armen Verhältnissen. Man kann sich leicht vorstellen, wie das gestreifte Promenadenkleid (links außen) bei entsprechenden öffentlichen Auftritten das gesellschaftli-che Ansehen der Familie widerspiegelte. In den 20er Jahren traf man sich eher im Varieté, Kabarett oder Tanzlokal im kurzen, schwarzen oder in lichten, transparenten Farben gehaltenen Hängekleid (2. von links). "Nichts ist hübscher in abendlicher Beleuchtung als das Ineinandergleiten weicher feiner Farbtöne", hieß es damals. Betont damenhaft ging es dann in den 30er Jahren zu. Das Ideal war die schlanke Dame und überhaupt die "Stromlinienform", sachlich oder drapiert (3. von links). Je festlicher der Anlaß und je später die Stunde, um so länger der Rocksaum. In den 50er Jahren mit ihrer sich belebenden Wirtschaft fanden die Frauen wieder Gefallen an neuen, schönen Kleidern. Während schwingende Röcke, enge Oberteile mit großer O-berweite und das Cocktailkleid die Mode prägten, waren lange Kleider anspruchsvollen Fes-ten vorbehalten. Christian Dior, der Modestar der Zeit, nannte Ballkleider (rechts außen) "die weiblichsten Gewänder, die es gibt".

T. Nagel